Die Wirtschaft braucht christliche Werte

Pastor Horst Marquardt über den siebten Kongress christlicher Führungskräfte in Nürnberg. Von Clemens Mann
Pastor Horst Marquardt
Foto: Archiv | Pastor Horst Marquardt.

Herr Marquardt, sie sind Kongressvorsitzender. Was steht hinter der Idee zu einem Kongress christlicher Führungskräfte?

Wir haben in Gesprächen mit Verantwortungsträgern gespürt, dass sehr viele alleine sind. An der Spitze eines großen Betriebes zu stehen, macht oft einsam. Es wäre nötig, dass man sich ausspricht mit anderen, dass man auch Kritik entgegennehmen kann, dass man ermutigt wird. Es gibt unterschiedliche Wertvorstellungen in unserer Gesellschaft. Der christliche Führungskräfte-Kongress möchte deutlich machen, dass es sich lohnt, christliche Werte zu betonen, das heißt, in der Bibel begründete und durch die Lehre Jesu bekannt gewordene Prinzipien zu beachten.

Stellt sich nach der Wirtschaftskrise die Frage, ob christliche Ethik in der Wirtschaft wichtig ist, nochmal ganz neu?

Ja, natürlich. Das Ganze ist ja ein ständiger Kampf. Während Ulrich Wickert 2005 mit Erfolg sein Buch „Der Ehrliche ist immer der Dumme“ herausgegeben hat, wollen wir deutlich machen, dass der Ehrliche nicht immer der Dumme ist. Ehrlichkeit zahlt sich auf Dauer aus. Ein einfaches Beispiel: Viele Unternehmer sagen, dass es zwar schwierig ist, bis man bekannt dafür ist, ehrlich zu sein. Im Grunde schätzt es aber jeder Kunde, wenn eine Firma zu ihren Absprachen steht. Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Treue sind auch im Wirtschaftsleben wichtig. Besonders da sprechen wir den Leuten viel Mut zu und empfinden auch, dass die Leute dankbar dafür sind.

Wo sehen Sie noch Anknüpfungspunkte für christliche Werte?

Ein großes Problem ist das Problem des Scheiterns: Viele spüren, es geht bergab, aber sie haben nicht den Mut, sich dazu zu stellen. Sie warten, bis nichts mehr zu retten ist. Wir haben bei den vorangegangenen Kongressen erlebt, dass Menschen, die gescheitert sind, im Gespräch mit anderen, die zuvor gescheitert waren, wieder auf die richtige Bahn gekommen sind. Sie haben ihre Niederlage überwinden können. Führungskraft heißt nicht immer erfolgreich sein, Wertmaximierung um jeden Preis. Es heißt auch, dass man Verantwortung übernimmt für das, was nicht gelingt, und dann trotzdem weitermacht. Gerade durch den christlichen Glauben kann man die Kraft gewinnen, wieder aufzustehen, wenn man gefallen ist.

Welche Themenschwerpunkte setzen Sie bei Ihrem siebten Kongress?

Der heutige Tag heißt „Zukunft gestalten“, gestern ging es darum, „die Krise zu bewältigen“. Morgen wird das Tagesthema „Werte leben“ lauten. Wir werden uns in Gesprächsrunden darüber austauschen, was es heißt, die Zukunft zu gestalten. Zugleich wollen wir die Globalisierung bedenken, die immer stärker um sich greift. Daneben bieten wir jeden Tag je 15 Seminare mit verschiedenen Themen wie „Guter Stil im Berufsleben“, „Den Stab erfolgreich weitergeben“, wo die Frage von Generation zu Generation gestellt wird, oder „Glaubensprägung und Lebenserwartung“.

Der Kongress geht heute zu Ende. Welche Signale gehen von der Veranstaltung aus?

Wir haben erstmalig eine Abschlusserklärung, eine „Nürnberger Erklärung“ formuliert: Wir sind davon überzeugt, dass eine Gesellschaft nur dann leistungsfähig und zugleich sozial ist, wenn sie unter Verantwortung vor Gott und den Menschen steht, wie es in der Präambel unseres Grundgesetzes heißt. Wirtschaftliches Handeln braucht christliche Werte. Auf Scheckkarten wird stehen, was es heißt, sich an Gottes Maßstäben zu orientieren: Dass man bemüht ist um Integrität, Ehrlichkeit, Fleiß, Verlässlichkeit, Fairness; dass man Korruption ablehnt, Betrug und unfaire Löhne, keine überzogenen Gehälter und Abfindungen. Wer sich an Gottes Maßstab orientiert, setzt sich für den Schutz des Eigentums, der Umwelt und des Sonntags ein. Das sind alles Punkte, die Anregung dazu geben, was man als Kongressbesucher mit nach Hause nehmen und bewahren kann.

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