Die Türkei kann vermitteln

Der neue NATO-Generalsekretär und frühere dänische Regierungschef Anders Fogh Rasmussen bereiste Griechenland und die Türkei mit dem erklärten Ziel, die Spannungen zwischen diesen beiden benachbarten NATO-Staaten abzubauen. Kein Zweifel, dass er dieses Ziel nicht erreicht hat und nicht erreichen konnte. Kein Zweifel aber auch, dass es an der Zeit war, in Ankara und in Athen die Botschaft zu deponieren, dass dieser künstliche Dauerstreit der gesamten NATO schadet.

Auf einem anderen Gebiet konnte Rasmussen allerdings Erfolge einfahren: Durch seine Teilnahme am Iftar-Mahl, dem rituellen Fastenbrechen im Ramadan, und seine respektvollen Worte über den Islam konnte er jene Ressentiments abbauen, die sich in der Türkei und ihren arabischen Nachbarländern während der Kontroverse um die Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Tageszeitung aufgebaut hatten. Ministerpräsident Erdogan gab dem NATO-Chef die Chance zu einem Image-Wechsel – und der hat sie genutzt.

Der türkische Regierungschef seinerseits nutzte den Besuch Rasmussens in eigener Sache: Ankara bot sich als Brücke zwischen der NATO und der „Organisation der Islamischen Konferenz“ (OIC) an, möchte ein Treffen von Vertretern beider Bündnisse und einen institutionalisierten Dialog. Dass Erdogan innenpolitisch damit den kemalistischen Generälen ans Bein tritt, kann der NATO reichlich egal sein. Sicherheitspolitisch ist sein Vorschlag eine kluge Idee: Das westliche Verteidigungsbündnis braucht Möglichkeiten, drohenden Eskalationen im islamischen Raum und an den Schnittstellen der Kulturen entgegenzutreten, ohne gleich Waffen sprechen zu lassen. Der NATO-Partner Türkei mit seinem hohen Prestige in der islamischen Welt wäre hier in der Tat der richtige Vermittler. sb

Themen & Autoren

Kirche

Papst in Budapest
Budapest
Umkehr: Die wahre Reform der Kirche Premium Inhalt
In Budapest wurde die Tiefendimension der Kirche sichtbar: Mit Blick auf Christus ist sie jung, dynamisch, fröhlich, ökumenisch, missionarisch und attraktiv. Ein Kommentar.
16.09.2021, 13 Uhr
Stephan Baier