Die Stunde der Zyniker

Trotz allem: Mission is possible! Jetzt erst recht.

Von Stephan Baier

Zyniker haben es leicht, weil sie es anderen schwer machen. Der Zyniker beendet Diskussionen, bevor sie beginnen. Ich spare mir die leidige Debatte über „konservativ oder progressiv“, indem ich „modern“ auf dem ersten Vokal betone. Meistens reicht das. Sie ahnen gar nicht, wie leicht die Leute zu unterhalten sind. Jetzt weist der immer viel zu lange Zeigefinger der Zyniker (wieder einmal) auf die Kirche. Der ernsthafte Agnostiker hätte angesichts des Drecks, der da gerade hochkommt, ja zur Erkenntnis reifen können: Es gibt sie also doch, die Sünde! Aber die Schlangen vor den Beichtstühlen sind nicht länger geworden. Zyniker brauchen keine Gewissenserforschung. Mission impossible!

Ein Meister in diesem Genre, der die ganze Klaviatur von der feinen Ironie bis zum derben Zynismus beherrscht, ist Harald Schmidt. Und so war sein Gesprächspartner wohl einigermaßen perplex, als Schmidt in einem Interview mit der Zeitung „Die Presse“ auf die Frage „Fürchten Sie sich vor dem Tod?“ einfach „Nein“ sagte. Nachfrage: „Weil?“ Antwort: „Weil ich katholisch bin.“ Versuch einer Nachfrage: „Sie hoffen also auf das Paradies.“ Grammatikalisch brüchige, aber theologisch richtige Antwort: „Das nicht unbedingt, aber an die Auferstehung.“ War das nun Zynismus oder nicht? Der Interviewer fragt sicherheitshalber nach: „Ganz ernsthaft?“ Darauf Schmidt: „Selbstverständlich, sonst wäre ich nicht katholisch.“ Da würden sich andere Katholiken aber „leichter fassbare Abschnitte zum Glauben“ rauspicken, meint der Frager. Antwort: „Ja. Das ist bei mir nicht so.“ Der Meisterzyniker mal ganz ernsthaft. Verknüpft das Wort „katholisch“ nicht mit billigen Kalauern, sondern mit „Auferstehung“. Während im Stephansdom die Delegierten der Erzdiözese Wien darüber debattierten, ob in Zeiten wie diesen „Mission“ noch möglich sei, hat es Schmidt einfach getan. Mission is possible!

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