Die Menschen in Bethlehem haben keine Hoffnung mehr

Die Medizinische Direktorin des Caritas Baby Hospitals, Hiyam Marzouqa, freut sich über die Solidarität des Papstes

Papst Benedikt XVI. wird im Rahmen seiner Heilig-Land-Reise am 13. Mai das Caritas Baby Hospital in Bethlehem, der Geburtsstadt Jesu, persönlich besuchen. Wie ist es zu diesem Besuch gekommen und was bedeutet er für Ihre Einrichtung?

Als die „Kinderhilfe Bethlehem“, die Trägerin des Caritas Baby Hospitals, von den Reiseabsichten des Papstes erfahren hat, haben wir ihn eingeladen und ihn auf die besondere symbolische Kraft unseres Orts hingewiesen. Die Idee unseres Gründers begeistert auch nach fast 60 Jahren Menschen in aller Welt: Nie darf einem Kind am Geburtsort Jesu medizinische Hilfe verwehrt bleiben. Diese frohe Botschaft strahlt in die Welt und hat auch den Papst angesprochen.

Wie stellt sich die medizinische und hygienische Versorgung für Babys, Kleinkinder und Kinder in Bethlehem heute dar?

Die medizinische und hygienische Versorgung für Babys und Kleinkinder bedeutet für die Familie eine finanzielle Belastung, die sie sich kaum noch leisten können. Dabei kann ich klar sagen, dass die medizinische und hygienische Versorgung in Bethlehem besser ist als in anderen Gebieten im Norden der palästinensischen Gebiete, weil hier in Bethlehem unser Krankenhaus da ist, das alle Kinder versorgen kann, egal ob ihre Eltern Geld haben oder nicht.

Wie würden Sie die wirtschaftliche und sozialen Lage in Bethlehem heute allgemein beschreiben?

Ich würde sie als traurig bezeichnen. Die wirtschaftliche Lage ist unstabil. Es hängt vieles vom Tourismus ab: kommen Touristen, dann geht es den Leuten gut. Kommen sie nicht, dann hat Bethlehem kein Einkommen. Die Leute in Bethlehem bewegen sich nur in der Stadt, um Hindernisse und Check Points zu vermeiden. Ein soziales Leben, wie es einmal war, gibt es nicht mehr. Man sieht keine Perspektive und keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Trägt das Caritas Baby Hospital durch seine Arbeit auch zum besseren Verständnis zwischen Christen und Muslimen bei? Stärkt die praktizierte Nächstenliebe das Miteinander?

Wir konzentrieren uns auf das Kind. Religion spielt dabei eigentlich keine Rolle. Bei uns spüren die Muslime, was die christliche Nächstenliebe ist. Ich glaube schon, dass die Muslime, die uns besuchen, toleranter sind als die anderen.

Was kann der Besuch Papst Benedikts XVI. für Frieden, Gerechtigkeit und Verständigung im Heiligen Land bewirken?

Wir wissen, dass der Papst die Politik nicht beeinflussen kann. Frieden und Gerechtigkeit brauchen politische Macht und Druck. Der Besuch des Papstes hat eine seelisch unterstützende Wirkung auf die Menschen in Palästina, vor allem auf die Christen im Heiligen Land. Sie werden seine Solidarität spüren. Wir hoffen, dass er durch seine Aussagen die Politiker daran erinnern kann, mehr zu unternehmen, um Frieden im Heiligen Land zu erreichen.

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