Die Kinder verloren

Manchmal ist man geradezu erstaunt, wenn sich inmitten von reichlich ideologielastigen Debatten eine Stimme der Vernunft erhebt. Das ist ganz grundsätzlich so, gilt aber in besonderer Weise, wenn es um die Familie geht. Wo es sich um das Zukunftsthema schlechthin dreht, ist Stimme der Vernunft besonders nötig. Zu hören war sie am vergangenen Dienstag. Da beklagte Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) eine Schieflage in der familienpolitischen Diskussion in Deutschland. Bisher sei vor allem das als familienfreundlich betrachtet worden, was „junge Eltern möglichst schnell wieder arbeitsmarktgängig macht“, sagte die Ministerin in München. Hört, hört! Doch die CSU-Politikerin wurde noch deutlicher: In dieser Diskussion seien „die Kinder verloren“ worden. Dies zeigten anhaltend niedrige Geburtenziffern und die explosionsartig gestiegenen Kosten der Jugendhilfe. Chapeau, Frau Ministerin, endlich spricht das mal einer offen aus. Höchste Zeit war es längst.

Bayern will nun gegensteuern. Das Motto dafür soll lauten: investieren statt reparieren. Klingt gut und wäre im höchsten Maße sinnvoll. Im Freistaat hat man offensichtlich eher als anderswo erkannt, wo viele Familien der Schuh drückt. Treffend benannte Frau Haderthauer die Probleme: Es gebe immer mehr staatliche Eingriffe in die Familien. Diese würden entweder damit begründet, dass die Eltern es nicht könnten, oder, dass die Bildungschancen der Kinder erhöht werden müssten. Der Staat könne jedoch nicht beliebig Eltern ersetzen. Auch sollte Familienpolitik nicht nur diejenigen im Blick haben, die Probleme hätten. Stimmt genau. Man darf gespannt sein auf den neuen „Familiensinn weißblau“. Re

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