Die Kardinäle können das Konklave vorverlegen

Das letzte Motu proprio von Papst Benedikt XVI. macht den Weg frei für eine Abkürzung der Zeit der Sedisvakanz. Von Guido Horst
Foto: dpa | Besonders viele Gläubige kamen am Sonntag auf den Petersplatz, um ein letztes Mal mit Benedikt XVI. den Angelus zu beten.
Foto: dpa | Besonders viele Gläubige kamen am Sonntag auf den Petersplatz, um ein letztes Mal mit Benedikt XVI. den Angelus zu beten.

Rom (DT) Mit einem als Motu proprio veröffentlichten Apostolischen Schreiben hat Benedikt XVI. gestern den Weg dafür frei gemacht, dass das kommende Konklave auch schon früher zusammentreten kann. Das ist wohl die wichtigste Änderung der Papstwahlordnung, die der Papst kurz vor seinem Rücktritt verfügen wollte. In dem Motu proprio heißt es mit Blick auf die bisher geltende Frist von mindestens fünfzehn Tage vom Beginn der Sedisvakanz bis zum Konklavebeginn: „...ich lasse dem Kollegium der Kardinäle die Möglichkeit, den Beginn des Konklaves vorzuverlegen, wenn feststeht, dass alle Kardinäle, die wählen, anwesend sind, wie auch die Möglichkeit, den Beginn der Wahl einige Tage hinauszuschieben, wenn schwer wiegende Gründe dafür vorliegen“. Vatikansprecher Federico Lombardi hatte schon in der vergangenen Woche angekündigt, dass über diese Änderung der Konklave-Ordnung nachgedacht wird, wobei jedoch klar war, dass nur Benedikt XVI. den notwendigen Rechtsakt für diese Vorverlegung des Beginns der Papstwahl setzen könne. Da zum ersten Mal nach Jahrhunderten die Zeit der Sedisvakanz am Donnerstagabend nicht mit dem Tod eines Papstes beginnt, sondern mit dem Rücktritt des derzeitigen Nachfolgers Petri, entfallen die Tage, die bisher vor einem Konklave für die Beisetzung des verstorbenen Papstes benötigt wurden. Spätestens zwanzig Tage nach Eintritt der Sedisvakanz, so heißt es in dem gestern veröffentlichten Motu proprio „über einige Änderungen der die Wahl des römischen Pontifex betreffenden Normen“, müsse das Konklave jedoch beginnen.

Direkt zu Beginn des Motu proprio bekräftigt Papst Benedikt XVI. nochmals die von ihm 2007 verfügte Änderung der bis dahin geltenden Papstwahlordnung, dass zur Wahl des neuen Kirchenoberhaupts eine Mehrheit von zwei Dritteln der wählenden Kardinäle notwendig ist. Auch erinnert das jüngste Schreiben Papst Benedikts daran, dass die Arbeitsabläufe im Vatikan während des Konklaves so geregelt sein müssten, dass die Kardinäle ungestört und ohne Außenkontakt die Papstwahl absolvieren können – etwa, wenn sie sich von ihrer Unterkunft in dem Vatikan-Hotel Sanctae Marthae neben dem Petersdom zur Sixtinischen Kapelle begeben. Das Motu proprio wurde auf Latein und Italienisch veröffentlicht.

Jetzt bleibt abzuwarten, was die wahlberechtigten Kardinäle in ihren ersten Zusammenkünften vor dem Konklave Anfang März beschließen werden. Wie Vatikansprecher Lombardi am Dienstag mitteilte, werde die erste Generalkongregation wohl am 1. März stattfinden. Ob die Kardinäle dann das Konklave auch wirklich vorverlegen oder diesen Beschluss direkt bei der ersten Zusammenkunft fassen, ist offen. Die Papstwähler hätten die Möglichkeit, das zu tun. Vielleicht möchten sie aber auch die gesamte, ihnen rechtlich zur Verfügung stehende Zeit des Vorkonklaves dazu nutzen, sich auszutauschen, sich über mögliche Kandidaten für das Papstamt ein klareres Bild zu verschaffen und die drängendsten Schwierigkeit der Kirche von heute zu besprechen. Namen von möglichen Nachfolgern Benedikts XVI. sind viele im Umlauf. Aber herausragende Kandidaten gibt es bisher noch nicht.

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