Die Ewige Stadt

Rom hat ein anderes Verhältnis zur Zeit – Das gilt auch für das Paulusjahr 2008

Von Guido Horst

Alltag in Rom: Eine Ewigkeit wartet man an der Haltestelle auf seinen Bus. Und wenn die Ewigkeit verstrichen ist, kommen gleich drei Busse der gewünschten Linie hintereinander. Auch die Stromrechnungen haben die seltene Eigenschaft, Winter- oder Sommerschlaf zu halten, bis sie gleich mehrfach im Briefkasten liegen. Römer arbeiten stoßweise, das Leben ist kein ruhiger Strom, sondern pulsiert. Von der erhabenen Gleichmäßigkeit deutscher Bürokratien oder Energiekonzerne ist bei ihnen nichts zu spüren. Jahrelang ist ein alter Palazzo eingerüstet – und plötzlich wird er in Windeseile renoviert. Unendliche Zeiten hatte man sich auf das Jubiläumsjahr 2000 vorbereitet. Und dann, 2001, waren die Arbeiten über Nacht abgeschlossen. Die Tiberstadt, die sich auch die „Ewige“ nennt, hat eben ein anderes Verhältnis zur Zeit.

Daran mag es auch liegen, dass in Rom nicht zwei der überall anzutreffenden Uhren dieselbe Zeit anzeigen. Das gilt selbst für den Petersplatz, wo zwei mächtige barocke Uhren die Fassade der Vatikanbasilika krönen. Die eine steht. Dafür geht die andere weitgehend genau. Beide zeigen nur zweimal am Tag dieselbe Uhrzeit an. Man mag das nachlässig nennen.

Aber Zeit – was ist das schon? Dass die Ewige Stadt der Ewigkeit ein wenig näher ist als der Rest der Welt, hat natürlich damit zu tun, dass sich hier, am Ort der Apostelgräber, Himmel und Erde berühren. Ab Sommer dieses Jahres, dem Fest Peter und Paul, wird insbesondere des Völkerapostels Paulus gedacht. Lange Jahrhunderte lag er in seinem steinernen Sarg, den man jetzt wieder freilegen konnte. Andernorts hätte man sofort eine Sonde in den Sarkophag eingeführt, um nachzuschauen, was dort drinnen ist. Aber man lässt sich damit Zeit. Die Welt giert nach sensationellen Bildern. Aber in Rom zählt die Ewigkeit.

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