Kommentar um "5 vor 12"

Die Deutschen wollen keine Gender-Sprache

65 Prozent der Bevölkerung lehnen die „geschlechtergerechte“ Sprache ab. Wer die Bundestagswahl gewinnen will, darf das nicht ignorieren.

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Die Menschen ahnen, ein Anschlag auf die Freiheit der Sprache ist auch ein Anschlag auf die Freiheit des Denkens. Foto: Annette Riedl (dpa)

Die Zahlen sind eindeutig: 65 Prozent der Bevölkerung sind gegen die Gender-Sprache. So viele lehnen nach einer Umfrage von Infratest Dimap, die am Pfingstwochenende von der „Welt am Sonntag“ veröffentlicht worden ist, sowohl Binnen-I wie auch Sternchen ab. Interessant dabei: Selbst bei den Wählern der Grünen stehen 48 Prozent gegen die „geschlechtergerechte“ Sprache 47 Prozent gegenüber, die dafür sind. Bei allen anderen Parteianhängern sind die Mehrheitsverhältnisse ganz eindeutig: Bei der SPD sind 57 Prozent dagegen, bei der Union 68 Prozent, bei der Linken 77 Prozent, bei der FDP 72 Prozent, und unter den AfD-Anhängern sprachen sich 83 Prozent dagegen aus, 

Es scheint noch den gesunden Menschenverstand zu geben

Die Sprache ist unsere soziale Luft. So wie man atmen muss, um leben zu können, so ist soziales Leben ohne Sprache nicht möglich. Veränderungen der Sprache treffen also jeden, und deswegen ist auch jeder Fachmann für die Sprachkultur. Sprache darf nicht Linguisten und Gender-Forschern überlassen werden. Sprache wird von den Sprechern bestimmt. Und dass diese Sprecher sich nicht ideologisch gängeln lassen wollen und hochsensibel dafür sind, wann ihre Sprechfreiheit in Gefahr gerät, belegen diese Umfragewerte. Denn die Menschen ahnen, ein Anschlag auf die Freiheit der Sprache ist auch ein Anschlag auf die Freiheit des Denkens. Diese klare Tendenz über alle Parteigrenzen hinweg macht Hoffnung, dass unsere Gesellschaft doch noch nicht in Kulturkampf-Lager zerfallen ist, zwischen denen kein Dialog mehr möglich ist. Es scheint doch noch so etwas wie den gesunden Menschenverstand zu geben.

Aber wissen auch die Parteien, wie ihre Anhänger ticken? Die Union könnte, indem sie die Gender-Sprache zum Wahlkampfthema macht, einen Beleg dafür bringen, dass sie sich noch als Volkspartei versteht. Dazu gehört nämlich nicht nur, dem Volk aufs Maul zu schauen, sondern dafür zu sorgen, dass die „vox populi“ überhaupt frei sprechen kann. Friedrich Merz hat mit seiner Forderung nach einem Verbot der Gender-Sprache in öffentlichen Einrichtungen einen ersten Vorstoß gemacht. Wann greift Armin Laschet das auf? Nur sprechenden Kanzlerkandidaten kann geholfen werden.

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