München

Die Deutschen sind Meister der Zeichen

Der sportliche Wettkampf rückt in diesen Tagen zugunsten eines moralischen in den Hintergrund: Zeichen wie eine Allianz-Arena in Regenbogenfarben sind letztlich wie eine Seifenblase: Wenn sie platzt, ist keine Substanz vorhanden. Ein Kommentar.
Das Münchner EM-Stadion in Regenbogenfarben
Foto: Tobias Hase (dpa) | Die Hülle der Allianz Arena leuchtet 2016 anlässlich des Christopher Street Days in Regenbogenfarben.

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Wokeste im ganzen Land? Die deutsche mediale Landschaft dieser Tage erweckt den Eindruck, als sei der sportliche Wettkampf zugunsten eines moralischen in den Hintergrund gerückt. Die Deutschen wollen sich mit "Zeichen setzen" anscheinend selbst überbieten: Da wäre die Regenbogen-Kapitänsarmbinde des Torhüters Manuel Neuer, die die UEFA billigt, da sie für einen "good cause", also für Toleranz und Solidarität, stehe.

Eine indirekte Watsche für Ungarn

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Dann gab es die Debatte um eine in Pride-Farben erleuchtete Münchner Allianz Arena, um Orbán bei dem Spiel gegen Ungarn eine indirekte Watsche für sein jüngst erlassenes LGBTQ-Gesetz zu verpassen. Das ging der UEFA doch zu weit und sie schob dem Vorhaben des Münchner Stadtrats einen Riegel vor. Ihre Begründung: Die UEFA sei "eine politisch und religiös neutrale Organisation". Diese Niederlage wollten einige besonders Eifrige nicht hinnehmen. Andere Fußballstadien, wie das in Frankfurt am Main oder das Münchner Waldstadion, erstrahlten Mittwochabend in den Regenbogenfarben. Der private Sender ProSieben änderte am selben Tag "aus guten Gründen", so verkündete es der Sender auf Twitter, sein Logo in die Pride-Farben. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bedauerte auf Twitter, "dass die Münchner Arena nicht in Regenbogenfarben leuchten darf".  

Zeichensetzen, quo vadis? Fairerweise müsste man anderen tatsächlichen oder selbsternannten Opfergruppen ebenso gerecht werden. Warum nicht ein pinkes Stadion, um auf ermordete Frauen aufmerksam zu machen? Ein schwarz gefärbtes, um den Rassismus zu kritisieren? Ein rotes, um den Millionen vor Hunger sterbenden Kindern zu gedenken? Im Letzten ist das Zeichensetzen wie eine Seifenblase: eine glänzend moralische Fassade. Wenn sie platzt, ist keine Substanz vorhanden. 

Wohin das Zeichensetzen führt, lässt sich an der kurzfristigen Entscheidung des ungarischen Regierungschefs, an dem EM-Spiel der ungarischen Fußball-Nationalmannschaft gegen Deutschland doch nicht anwesend zu sein, erahnen: Die LGBTQ-Ideologie spaltet Europa.

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