Die andere Kunst des Möglichen

Politik ist die Kunst des Möglichen. Kurt Beck weiß, dass seine Chance, im kommenden Jahr als Bundeskanzler für die SPD zu reüssieren, gering ist. Und er weiß, dass der Druck vom linken Flügel der Genossen, unterstützt durch Teile der Medien, die sich eher links verstehen, zunehmen wird, es doch mit der Linkspartei zu versuchen – nicht nur in den Ländern, sondern auch im Bund. Der Fall Clement hat schon einmal einen Geschmack darauf gegeben, wohin die Reise führen wird. Also muss sich Kurt Beck fragen, was ihm in dieser politischen Konstellation möglich ist.

Er hat es am vergangenen Wochenende scheinbar getan: Wie der Südwestrundfunk(SWR) meldete, strebt Kurt Beck im Bundestag ein Mandat für nach 2009 an. Auch nach einer verlorenen Wahl will er nach Berlin streben. Das ist plausibel. Er kann jetzt Frank-Walter Steinmeier gegen Merkel antreten lassen, der sich dann verschleißt. Danach kommt Becks Zeit, zumal ja auch Helmut Kohl schon die Strategie gewählt hat, vom sicheren Mainzer Regierungssitz aus auf die Oppositionsbank im Bund zu wechseln, um von dort aus die Macht zu erobern. Zwar lässt die Mainzer Staatskanzlei die Meldung von Becks Bundestagsambitionen heftig dementieren. Aber das Dementi klingt kaum glaubwürdig, hat doch Becks Regierungssprecher Walter Schumacher lange Jahre als Star-Moderator des SWR gearbeitet, und besitzt nach wie vor beste Verbindungen in den Sender – weshalb also sollte der SWR nicht bestens informiert sein?

Und zu dieser Strategie passt auch, genau jetzt der SPD in Hessen und Andrea Ypsilanti grünes Licht für einen erneuten Versuch zu geben, sich von der Linkspartei an die Macht bringen zu lassen. Wenn es klappt, dann wird Steinmeier, sollte er und nicht Beck Kanzlerkandidat werden, dafür im Bund abgewatscht. Wenn es nicht klappt, ist Beck für seine Zeit als kommender Oppositionsführer in Berlin mit neuen Erfahrungen gewappnet, ob und wie es mit der Linken geht oder nicht. Becks Kunst des Möglichen besteht also darin, möglichst nicht dafür haftbar gemacht zu werden, die Partei zur Linken zu führen. sei

Themen & Autoren

Kirche