Der Mensch ist auch nur ein Wirtschaftsprodukt

Warum einzelne Bilder nicht helfen, wenn Reproduktionsmedizinern Sätze aus dem Mund fallen

Von Stefan Rehder

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Heißt es. Was mancher für eine Volksweisheit hält, ist in Wirklichkeit ein Werbeslogan. Mit ihm warb Fred Barnard 1921 in einer Anzeige für die Verwendung von Bildern bei Werbeaufdrucken von Straßenbahnen. Dass Zeitungsmacher für einen solchen Slogan wenig übrig haben, versteht sich. Derart zugespitzt, ist er zudem falsch.

Denn es gibt Sätze, deren volle Bedeutung nicht durch ein einziges Bild zum Ausdruck gebracht werden kann. Einen solchen haben wir jetzt in einem Interview auf „Spiegel online“ gefunden. Mit ihm warb das Internetportal für die Titelgeschichte der aktuellen Print-Ausgabe, die sich ihrerseits wie eine Anzeige für die Reproduktionsmedizin liest. Da ist vom „A-Klasse-Embryo“ die Rede oder davon, dass jeder Mensch täglich selektiere und für sich das Beste auswähle. Warum also nicht auch Menschen? Vielleicht, weil wir dann aufhörten, selbst welche zu sein?

Aber kommen wir zu unserem aufgelesenen Satz. Aus dem Mund gefallen ist er dem Berliner Reproduktionsmediziner Heribert Kentenich. Der findet es ungerecht, dass Kassenpatienten auch schon einmal einen ganzen Monatslohn abliefern müssen, weil die Kassen nur die Hälfte der Kosten tragen, die beim Versuch anfallen, durch künstliche Befruchtung zu einem Kind zu kommen. Seine Forderung, die Politik solle stattdessen die Gemeinschaft der Versicherten zwingen, auch für die andere Hälfte aufzukommen, begründet er mit dem Satz:„Es gibt medizinökonomische Rechnungen, dass ein Retortenkind sozialökonomisch weit mehr Geld erwirtschaftet, als es kostet.“ Das klingt kompliziert, ist es aber nicht. Der Satz meint lediglich, dass der Mensch für die Reproduktionsmedizin nur ein Wirtschaftsprodukt ist und sein Schöpfer zwar nicht auf den Mund, aber vermutlich zu oft auf den Kopf gefallen ist.

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