Der Kreislauf des Vergänglichen

Blumen für den Papst, Wasserstoff für die Niederlande

Von Guido Horst

Tulpen aus Amsterdam, Narzissen und Hyazinthen aus den Gewächshäusern an der Nordseeküste. Dreißig Tonnen wiegt der mächtige Blumengruß, den niederländische Züchter Papst Benedikt geschickt haben. Mit Lastern führt man sie heran, die Blumenpracht, die am Ostersonntag den Petersplatz in Frühlingsfarben tauchen soll. Wir wussten gar nicht, dass die Niederländer so katholisch denken. Dreißig Tonnen Blumen, das ist kein Pappenstiel. Das deckt viele Sünden zu. Nach den Olivenzweigen zum Palmsonntag arrangieren nun geschickte Hände auf dem Petersplatz, was holländische Gartenkunst das Jahr über hat wachsen lassen. Die Temperaturen lassen noch zu wünschen übrig. Aber das katholische Rom ist geschmückt und bereit, sich den Heerscharen an nahenden Touristen pünktlich zu Frühlingsbeginn in den buntesten Farben zu zeigen.

Post festum dürfte Hollands Blumengruß, dann auf nicht mehr so viele Tonnen zusammengetrocknet, den Weg des Vergänglichen gehen, das heißt in Italien schnurgerade auf die wachsenden Abfallberge. Solange das mit der Mülltrennung noch nicht klappt, bunkern Halden, Deponien und Zwischenlager alles zusammen auf zahllosen Haufen, was die Konsumgesellschaft nicht mehr braucht, um es dann teuer zu verschicken. Nach Deutschland zum Beispiel. Wie die italienischen Medien enthüllen, laufen die Verhandlungen gut. Deutsche Verbrennungsanlagen haben noch ausreichend Kapazitäten, Züge und Lastwagen rollen bereits über die Alpen, um Italiens Mülllast etwas zu mindern. Und so könnte sich auch der holländische Blumengruß an den Papst bald in Verbrennungsöfen am Niederrhein in seine Atome auflösen und zu Wasserstoff geronnen bei leichtem Ostwind auf niederländischen Feldern und Blumenbeeten wieder niederregnen. Das ist der Kreislauf der Natur. Sic transit gloria mundi.

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