„Der ideologische Druck ist stark“

Erzbischof Antonio Arregui Yarza von Guayaquil erhofft sich vom Papstbesuch in Ecuador vor allem Stärkung im Glauben. Von Regina Einig
Foto: IN | Erzbischof Antonio Arregui Yarza.
Foto: IN | Erzbischof Antonio Arregui Yarza.
Exzellenz, wie haben sich die Gläubigen in Ecuador auf den Besuch des Heiligen Vaters vorbereitet?

In jeder Diözese gab es verschiedene Initiativen. Der Renner war eine fünfteilige Katechse über die Familie, die auf Kleingruppen und Familien zugeschnitten war. Es ist eine Atmosphäre der Hoffnung entstanden, und die Menschen haben große Zuneigung für den Heiligen Vater gezeigt.

Vor dreißig Jahren reiste der heilige Johannes Paul II. nach Ecuador. Welche Früchte hat dieser Pastoralbesuch hervorgebracht?

Beim Besuch Johannes Pauls II. hieß es, Ecuador habe sich selbst als katholisches Volk entdeckt. Viele Jahrzehnte des staatlichen Laizismus hatten bei den Leuten den Eindruck hinterlassen, der Glaube habe an Bedeutung verloren. Es war ein nachhaltiger Besuch, der dauerhafte Früchte in Form einer zunehmenden Vitalität der Kirche in jeder Hinsicht hervorgebracht hat.

Dennoch zeigt sich, dass etliche Katholiken der Kirche den Rücken kehren und zum Protestantismus übertreten. Wie ist das zu erklären?

Zunächst einmal muss man mit den freien und unvorhersehbaren Willensentscheidungen des Menschen rechnen. Ins Gewicht fällt in diesem Zusammenhang die intensive Aktivität, die religiöse Gruppen in Bereichen entfalten, die von unserer Seelsorge schlecht erfasst werden.

Der Heilige Vater hat das noch junge Heiligtum der göttlichen Barmherzigkeit in der Nähe von Guayaquil besucht. Hat die Verehrung der göttlichen Barmherzigkeit in Ihrem Bistum Spuren hinterlassen?

Die Verehrung des barmherzigen Herrn weist auf einen zentralen Zug der göttlichen Person hin. Dort sind zunächst immer mehr Gläubige hingegangen, bis schließlich das Heiligtum gebaut und 2013 fertiggestellt wurde. Daraus ist ein Wallfahrtsort für Guayaquil und mehrere Diözesen geworden.

Der Besuch des Heiligen Vaters fällt mit dem „Jahr der Familie“ zusammen, das die Kirche in Ecuador ausgerufen hat. Worin sehen Sie die Herausforderungen, denen sich die Kirche stellen muss, um den Familien das Evangelium näherzubringen?

Etwa in der Hälfte aller Haushalte im Erzbistum Guayaquil leben Paare unverheiratet zusammen. Die Gründe dafür liegen teilweise in der Vergangenheit, teilweise auch in der gegenwärtigen Situation. Ungefähr jeder zweite im erwerbsfähigen Alter hat keine feste Arbeitsstelle. Darum lebt ein hoher Prozentsatz der Familien unter prekären Bedingungen. Es fehlt die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche so zu erziehen und auszubilden, wie es sich die Eltern wünschen.

Die Vereinten Nationen haben Ecuador zur Liberalisierung des Abtreibungsgesetzes gemahnt. Hilft der Papstbesuch Ihrem Land, dem ideologischen Druck von außen besser standzuhalten?

Der ideologische Druck der internationalen Organisationen und der vorherrschenden Kultur ist stark. Natürlich hoffen wir auf die wichtigste Wirkung des Petrusamtes: „die Brüder im Glauben stärken“.

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