Der Glaube im Scheckkartenformat

„Kirche in Not“ will mit einer neuen Glaubenskarte zur vertieften Auseinandersetzung anregen. Von Markus Reder
Foto: KiN | ist Geschäftsführerin von „Kirche in Not“ Deutschland. „Unser Glaube ist einfach“, betont sie im Gespräch mit der „Tagespost“.
Foto: KiN | ist Geschäftsführerin von „Kirche in Not“ Deutschland. „Unser Glaube ist einfach“, betont sie im Gespräch mit der „Tagespost“.
Frau Fenbert, „Kirche in Not“ verschickt seit Neuestem Glaubenskarten. Was steht hinter dieser Idee?

Wir haben uns von Papst Benedikt XVI. inspirieren lassen, der im Vorwort zum Jugendkatechismus „Youcat“ geschrieben hat: „Ihr müsst wissen, was Ihr glaubt“. Ein Christ soll Rede und Antwort stehen können, was er glaubt, das ist die Grundidee. Dazu kommt, dass der Papst zum Jubiläum „50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil“ das Jahr des Glaubens ausgerufen hat. Auch dazu ist die Karte ein Beitrag. Sie will ein Anstoß sein, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen, und sie will neugierig machen.

Der Glaube der Kirche im Scheckkartenformat: Geht das überhaupt?

Unser Glaube ist einfach. Vor Jahren hatte Paul Kirchhof einmal das Ziel formuliert, die Einkommenssteuer müsse auf einen Bierdeckel passen. So ähnlich sehen wir das mit der Karte auch. Unser Glaube ist weder schwer noch kompliziert. Wir haben auf die Karte bewusst auch Dinge genommen, die viele Leute nicht mehr wissen, wie zum Beispiel die fünf Gebote der Kirche. Mit der Karte hat man solche Dinge schnell griffbereit und kann sie sich in Erinnerung rufen. Die Glaubenskarte kann auch eine Anregung sein, mal wieder in einem der Katechismen zu blättern. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten: den Weltkatechismus oder den „Youcat“; auch bei „Kirche in Not“ haben wir seit 1998 einen Katechismus. Er ist von Rom approbiert, heißt „Ich glaube“, wurde mittlerweile in 29 Sprachen übersetzt und hat eine Auflage von sieben Millionen Exemplaren.

Wen wollen Sie mit der Karte ansprechen?

Die Karte soll viele verschiedene Gruppen ansprechen. Da sind etwa Eltern oder Großeltern, die sich Sorgen machen um den Glauben der nachwachsenden Generation. Ich kann mir gut vorstellen, dass über diesen Personenkreis die Karten auch an Jugendliche kommen, ebenso wie über Firm- und Kommuniongruppen. Jugendliche finden eine solche Karte, weil sie etwas Neues ist, vielleicht ganz cool. Ich bin mir sicher, die Karte wird ihren Platz finden. Im Übrigen tragen wir heute in der Geldbörse immer mehr Karten mit uns herum. Warum soll man neben all dem weltlichen Kram und Kaufhausketten-Karten nicht auch etwas zum Glauben bei sich tragen?

Ist die verkürzte Form der Präsentation von Katechismuswissen nicht auch ein Problem? Wenn man Menschen, die von Glaube und Kirche entfremdet sind, mit den sieben Werken der Barmherzigkeit oder den Hauptsünden kommt, kann das nicht auch irritieren?

Das glaube ich weniger. Das Glaubenswissen ist doch schon so verdunstet, dass es lohnt, Schwarzbrot zu präsentieren, also die Sache kurz auf den Punkt zu bringen. Und gerade die Werke der Barmherzigkeit oder die Hauptsünden, die man meiden sollte, sind ein einfaches Rezept für ein gelingendes Leben. Wenn man sich jeden Tag irgendetwas anderes herausgreift, kann das wunderbare Früchte bringen.

Wie ist die Resonanz auf die Karte?

Die Glaubenskarte ist erst seit drei Wochen auf dem Markt. Bislang haben wir 53 000 Karten herausgegeben. Wir freuen uns sehr über diese tolle Resonanz nach so kurzer Zeit!

Welche Reaktionen haben Sie bislang erhalten?

Nur positive. Vielleicht ist älteren Menschen die Schrift etwas zu klein. Das liegt am Scheckkartenformat. Aber es gilt vor allem, den Glauben an die nächste Generation weiterzugeben. Wer sich also mit der Schriftgröße schwer tut, gibt die Karte am besten einem jungen Freund, einem jungen Mädchen oder einem Jungen, die haben keine Schwierigkeiten damit.

Wo kann man die Glaubenskarte bestellen?

Die Karte gibt es kostenlos im Büro von „Kirche in Not“ unter der Telefonnummer 089-6424 888-0 oder im Internet unter www.kirche-in-not.de.

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