Der Gastkommentar: Ohne Koch wäre die CDU anders

Die Große Koalition bekommt der CDU nicht gut. Was nützen die schönsten Umfragewerte der Kanzlerin, wenn diese sich bei Wahlen nicht in Stimmen niederschlagen? Bei den bisher acht Landtagswahlen seit 2006 hat die Union achtmal an Stimmen verloren; das wird demnächst in Hamburg und im Herbst in Bayern nicht anders sein.

In Hessen war der Absturz besonders drastisch. Mit Roland Koch hat dort auch der Bannerträger des konservativen Flügels in der CDU verloren. Kochs Gewicht innerhalb der CDU beruhte nicht zuletzt darauf, dass er im einstigen roten Hessen zwei sensationelle Wahlerfolge errungen hat. Dieser Nimbus des kantigen, konservativen Stimmenfängers ist nunmehr zerstört.

Dies ist für die CDU das ungleich größere Problem als das Wahldebakel in Hessen. Denn in der ersten Reihe der CDU gibt es nach dem Rückzug von Friedrich Merz und der Vertreibung Jörg Schönbohms aus dem Präsidium kaum noch namhafte Konservative. Volker Kauder jedenfalls kann das Vakuum nicht füllen, denn als Fraktionschef unterliegt er dem Zwang zum großkoalitionären Konsens.

Einige „Modernisierer“ in der CDU wollen die Gunst der Stunde nutzen. Ihr offener Brief zum Thema Integration ist – allen Dementis zum Trotz – nichts anderes als eine versuchte Hinrichtung Kochs. Es ist zugleich die Fortsetzung der unzähligen Versuche von Heiner Geißler und Rita Süßmuth, die CDU so zu verformen, dass sie in den Augen der publizistischen Linken endlich als liberal eingestuft wird. Doch haben Ole von Beust oder Friedbert Pflüger offenbar vergessen, dass sie der Wiesbadener Erklärung der CDU, die den Kurs Kochs nachdrücklich unterstützte, selber zugestimmt haben.

Falls Roland Koch nicht das Wunder gelingt, in Hessen eine stabile Regierung unter seiner Führung zu bilden, könnte es gut sein, dass der versierte Wirtschaftsjurist sich aus der Politik ganz zurückzieht. Das würde zunächst die Statik der CDU nachhaltig verändern – und dann ihre Identität.

Das wiederum bliebe nicht ohne Folgen für das Parteiengefüge. Fürs Soziale und das Marktwirtschaftliche gibt es andere politische Angebote, aber für konservative Werte und einen aufgeklärten Patriotismus steht außerhalb Bayerns allein die CDU. Falls die CDU konservative Wähler nicht mehr binden kann oder will, werden die eine andere Heimat suchen. Dann könnte entstehen, was die Union stets befürchtet hat: eine demokratische Partei rechts von der nach links gerückten.

Themen & Autoren

Kirche