Peking

Der chinesische Katholik Jimmy Lai warnt vor Konkordat

„Katastrophal naiv“ das ist das Urteil. Peking wird nicht liberaler im Umgang mit Religionen. Westliche Hoffnungen zerschlagen sich.

Jimmy Lai
Der katholische Medienunternehmer Jimmy Lai warnt vor dem Abkommen zwischen dem Vatikan und China. Foto: K. Y. Cheng via www.imago-images.de (www.imago-images.de)

In einem Interview mit First Things warnt der Hongkonger Zeitungsverleger Jimmy Lai vor einem Abkommen zwischen dem Vatikan und der chinesischen Parteiführung.
Der langjährige Berater des emeritierten Erzbischofs Chaput, Francis X. Maier, der mit dem katholischen Konvertiten Jimmy Lai aus Hongkong ein Interview führte, warnt in einem Artikel für die christliche Monatszeitschrift First Things vor der Verlängerung des Konkordats zwischen dem Vatikan und China. Auch wenn Verträge zwischen der katholischen Kirche und einem Staat eine lange Geschichte haben, so meint Maier dennoch, dass die mit Hitler und später auch mit ehemaligen Sowjetblock-Staaten geschlossenen Konkordate auch problematisch waren: Die Kirche hatte es dabei nicht nur mit Nationalregimes zu tun, sondern auch mit „systematischen Ideologien, die faktisch konkurrierende politische Religionen waren, die die Unterwerfung des Bürgers mit seinem ganzen Wesen – mit Leib und Seele – verlangten“.

Ein aggressiver Staat

Ein solcher Staat ist auch das moderne China. Die Kommunistische Partei Chinas habe ihre Macht in allen Bereichen des Landes ausgebaut, und „alle Formen der Religion, die sie nicht kontrolliert, niedergeschlagen“. Die westlichen Hoffnungen, dass „der Kapitalismus das Regime von Beijing liberalisieren würde“, hätten sich zerschlagen. Im Hinblick auf den Glauben hat sich die Religionsfreiheit in China nicht verbessert, in vielen Fällen sei es sogar schlimmer geworden. „Mit der eventuellen Ausnahme von Nordkorea“, stellt Maier fest, „ist China der aggressivste atheistische Staat des Planeten“, denn keine religiöse Gemeinschaft jeglicher Tradition dürfe außerhalb staatlicher Überwachung und Kontrolle existieren.
Unter den gegebenen Umständen erarbeitete der Vatikan im Jahr 2018 ein provisorisches Zwei-Jahresabkommen, mit dem Beijing bei der Auswahl der chinesischen Bischöfe ein Mitspracherecht eingeräumt wurde. Der Vatikan möchte es nun unbedingt erneuern. Maier zitiert einen leitenden vatikanischen Beamten, der feststellte, dass ohne ein solches Abkommen „wir uns – zwar nicht sofort, aber zehn Jahre später – in einer Lage befunden hätten, in der wir – wenn überhaupt – nur noch sehr wenige Bischöfe hätten, die noch in Gemeinschaft mit dem Papst sind... Wenn wir jetzt nicht damit anfangen, sieht so die Zukunft aus“.

Abkommen ist Verrat

Dieser römische Standpunkt scheine nicht unbegründet zu sein, gibt Maier zu. Schließlich liege die Zukunft der Kirche in Asien und Afrika. Das Problem mit dieser Argumentation bestehe jedoch darin, dass sie „katastrophal naiv“ ist – das konstatierte der Hongkonger Zeitungsverleger und Konvertit Jimmy Lai Anfang Oktober in einem Gespräch mit Maier. Lai unterstützt die Demokratiebewegung in Hongkong und wurde im August unter Chinas neuem Sicherheitsgesetz verhaftet. Er ist ein enger Freund von Kardinal Joseph Zen und warnt davor, dass ein jedes Abkommen des Vatikan mit dem derzeitigen Regime von Beijing auf einen Verrat an den gläubigen Christen in China hinauslaufe.

Auch die Partei denkt langfristig

Trotz guter Absichten des Vatikan, „glaubt Lai, dass Rom die Zähigkeit der kommunistischen Partei, ihr beharrliches Gespür, ihre feindseligen Gefühle und ihre Entschlossenheit, jegliches unabhängige Verständnis von Gott durch ihre eigene Allmacht zu ersetzen, missversteht. Die Kirche denkt vielleicht langfristig, aber auch die Partei tut das; und in der einen oder anderen Form besteht China sogar noch länger als die Kirche“. Was die Kommunistische Partei Lai zufolge jedoch nicht bieten kann, „ist ein menschliches umfassendes System ‚der Moral und Werte‘, das ein tugendhaftes Leben anspricht und die chinesische Seele zufriedenstellt“. Dies sei auch der Grund dafür, warum die Kommunistische Partei Chinas „dem Christentum allgemein und der Widerstandsfähigkeit der katholischen Kirche im Besonderen stark misstraut“.

Lob für Trump

In seinem Interview lobte Lai die Regierung von Donald Trump sowie den Außenminister der Vereinigten Staaten, Mike Pompeo, für ihren Einsatz für die Religionsfreiheit, aber auch für das, was er als „Realismus und Hartnäckigkeit in der Auseinandersetzung mit China bei einer ganzen Reihe heikler Themen“ betrachtet. Lai habe zudem seiner Ratlosigkeit und Enttäuschung – „seiner tiefen Enttäuschung“ Ausdruck verliehen, dass Papst Franziskus sogar ein Treffen mit Kardinal Zen während seines jüngsten Rom-Besuchs ablehnte – „der Kardinal hatte die Reise gemacht, um seinen Rat in Bezug auf China betreffende Angelegenheiten anzubieten“. DT/ks

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