Den Funken der Begeisterung entzünden

Jugendseelsorger Mike Kolb über das Geheimnis der Weltjugendtage und die Weitergabe des Glaubens. Von Markus Reder
Foto: Archiv | Mike Kolb, ist als Diözesanjugendseelsorger des Erzbistums Köln derzeit auf dem Weltjugendtag in Madrid.
Foto: Archiv | Mike Kolb, ist als Diözesanjugendseelsorger des Erzbistums Köln derzeit auf dem Weltjugendtag in Madrid.
Herr Pfarrer Kolb, worin liegt das Geheimnis der Weltjugendtage? Warum ziehen Weltjugendtage so viele junge Leute in ihren Bann? Sonst heißt es meist, Kirche und Jugend hätten sich immer weniger zu sagen.

Bei Weltjugendtagen gelingt etwas, wonach sich die Menschen unserer Welt sehnen. Hier macht man eine Erfahrung von Frieden, unabhängig von Nation, Kultur oder Rasse. Hier kommen Menschen unterschiedlichster Nationalitäten zusammen mit völlig unterschiedlichen Lebensweisen und Biographien. Und trotzdem verstehen sich alle, weil sie etwas Gemeinsames und Tragendes haben. Das ist die Erfahrung der Kirche, der Gemeinschaft, des Jung-seins und des gemeinsamen Glaubens. Alle, die immer meinen, Kirche hätte den Menschen nichts mehr zu sagen, die sollen sich die Weltjugendtage ansehen. Hier zeigt sich das Gegenteil. Hier gehen junge Menschen friedfertig und respektvoll miteinander um, sie gehen im Glauben gestärkt, um dann in positiver Weise mitzuarbeiten an einer friedvollen Zukunft unserer Welt. Papst Johannes Paul II. hat immer gesagt: „Seid Baumeister einer neuen Zivilisation der Liebe und Gerechtigkeit.“ Das ist die Vision, das ist das Geheimnis der Weltjugendtage. Ich bin überzeugt: Von diesen Tagen gehen nicht zu unterschätzende Impulse aus.

Was muss die Kirche tun, um die Begeisterung der Jugendlichen hinüberzuretten in deren Alltag? Nach den Tagen intensiven Erlebens ist der daheim dann oft recht grau.

Kirche muss vor Ort, im Lebensumfeld junger Menschen präsent sein. Es ist eine große Gefahr unserer deutschen Strukturdiskussionen, dass Kirche nur noch theoretisch als irgendeine Seelsorgeeinheit vorkommt, aber im Lebensumfeld der jungen Menschen nicht mehr da ist. Es muss Seelsorger geben, es muss Priester geben, es muss pastorale Dienste geben, die mit den Jugendliche leben, die sie stärken und keine Angst vor Jugendarbeit haben. Wo es solche charismatischen Leute gibt, da blüht auch bei uns die Jugendarbeit.

Sollte die Katechese in der Jugendpastoral eine wichtigere Rolle spielen. Auf dem Weltjugendtag haben die Katechesen Tradition.

Katechese muss auf jeden Fall eine starke Rolle spielen – das ist auch in Deutschland wichtig. Aber wir dürfen nicht den Fehler machen, die Katechese von den Personen zu lösen, die sie halten. Man meint heutzutage oft, Glaubenswissen genügt, dann wächst auch wieder der Glaube. Natürlich ist Glaubenswissen wichtig, aber die Personen, die die Katechesen halten, die den Glauben weitergeben, müssen auch Überzeugungskraft ausstrahlen. Man muss an ihnen die Freude am christlichen Leben spüren. Wenn junge Menschen das merken, dann öffnen sie sich auch für das, was inhaltlich gesagt wird. Der Youcat an sich ist nur etwas wert, wenn er von Menschen transportiert wird, die überzeugend darlegen können, wie sie der Glaube prägt, was ihnen der Glaube bedeutet, dass sie wirklich einem lebendigen Du in Jesus Christus begegnet sind und dass deswegen auch der Glaube der Kirche Sinn macht. Man kann das nicht voneinander trennen. Das wäre ein Fehler. Der wird in manchen Diskussionen gemacht.

Was erhoffen Sie sich von der Begegnung zwischen Papst Benedikt und der Jugend?

Ich erhoffe mir, dass sie mit der Erfahrung des Weltjugendtages, mit der Erfahrung der Begegnung mit Papst Benedikt, mit der Erfahrung einer lebendigen, frohen kirchlichen Gemeinschaft nach Hause fahren und sich sagen: Der Glaube trägt mein Leben, auch in schwierigen Umständen meines Alltags. Es ist ein Funke in mich hineingelegt, auf den ich aufpasse und den ich nicht mehr auslöschen lasse, auch wenn vielleicht manchmal die Pastoralsituation meiner Pfarrgemeinde nicht besonders rosig ist und nicht besonders auf junge Menschen ausgerichtet ist. Ich lasse mir diesen Funken nicht mehr löschen, ich halte ihn am Glühen. So wird mein Leben tragfähiger und sinnvoller.

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