Hof

Dem Islam fehlt die Aufklärung

Die CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier macht sich für ein EU-Forschungszentrum stark, dass das Verhältnis zwischen Islam und Demokratie untersuchen soll. Dabei wird sie von anderen Europaparlamentariern unterstützt. Im Interview erläutert sie die Gründen für diesen Vorstoß.

Neues Forschungszentrum zum politischen Islam
Das neue Forschungszentrum soll die Integration verbessern. Foto: Maurizio Gambarini (dpa)

Frau Hohlmeier, was ist der Anlass für die von Ihnen angestoßene Initiative? Was soll das Forschungszentrum leisten?

Es gibt zwar sehr viele Einzellehrstühle zum Islam, aber keine Vereinigung, die deren Erkenntnisse zusammenführt. Dies betrifft zum Beispiel die Frage, wann Probleme bei der Integration existieren. Auch gibt es hinsichtlich der Beeinflussung von Migranten durch Drittstaaten wenige Erkenntnisse. Ein Großteil der Muslime ist froh, dass sie zu uns kommen. In Kindergärten, Schulen und Kitas wird die Grundrechtscharta nicht untergraben. Es gibt jedoch Organisationen, die den freiheitlichen Ansatz unserer Werteordnung zu untergraben gedenken, die eine Verhinderung der westlichen Werteordnung unterstützen. Es gilt, diese fundamentalistischen Organisationen zurückzudrängen. Dies soll über Dialog und über Handlungsempfehlungen geschehen. Die Grundlage unserer Werteordnung, die christlich-jüdisch geprägt ist, ist hierbei essenziell. Wir wollen zusammenführen und eine bessere Basis für die Analyse zum Thema Islam und Demokratie der verschiedenen europäischen Länder erreichen. Es geht um die erfolgreiche Integration der Muslime in unsere westliche Gesellschaft. Wichtig ist ein öffentliches Bekenntnis der Demokraten, aber man muss die Untergrabung der demokratischen Werte öffentlich erkennbar machen. Ganz wichtig ist ein Verbot der Förderung fundamentalistischer Organisationen durch Drittstaaten.

Es besteht bei vielen der Eindruck, das Christentum gehe immer mehr zurück, gleichzeitig breite sich der Islam immer mehr aus: Überrollt der Islam nicht mittelfristig Europa und zwingt diesem Kontinent seine Werte auf?

"Das Christentum ist die weitverbreitetste Religion in der Welt.
Es gibt viele Länder, in denen Christen und Muslime friedlich zusammenleben"

Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien. Das Christentum ist die weitverbreitetste Religion in der Welt. Es gibt viele Länder, in denen Christen und Muslime friedlich zusammenleben. Dann gibt es Länder, wie die Türkei, die lange Zeit laizistisch waren, etwa zur Zeit Kemal Atatürks. Heute sind einige Länder involviert in die aggressive Ausbreitung fundamentalistisch-muslimischer Kreise, so gibt es zum Beispiel eine starke Finanzierung des Fundamentalismus in Westafrika.

Würde sich das neue Forschungszentrum auch mit der Situation der Kurden beschäftigen?

Nein. Es geht vielmehr um generelle Fragestellungen und Probleme der Muslime untereinander und um die Integration. Wir können nicht auf jeden Regionalkonflikt eingehen. Der Blickwinkel ist ein innereuropäischer. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Frage: Wie kann Integration wirklich gelingen?

Ist Europa nicht wegen der Flüchtlingspolitik von der Türkei abhängig und muss daher eine Türkei hinnehmen, die nicht demokratisch ist?

Nein. Die Türkei ist wirtschaftlich viel stärker von Europa abhängig, als Europa von der Türkei. Gleichzeitig müssen wir jedoch sehen, dass wir nicht in der Lage sind, die innertürkischen Verhältnisse zu ändern. Die Türkei muss sehen, dass sie unter einer autokratischen Regierung nur verlieren kann. Das Geld der EU geht vorwiegend an die Flüchtlinge, also an Institutionen wie das Rote Kreuz und die UNICEF, und nicht an die türkische Regierung. Das Geld für die sogenannte „Heranführungshilfe“ an die türkische Regierung ist deutlich reduziert worden.

Ist die islamische Kultur überhaupt demokratiefähig? Etwa im Hinblick auf dort  verbreitete Vorstellungen von Autorität, die Rolle der Frau im Islam und die Bedeutung der Menschenrechte dort?

"Wir haben im Christentum die Aufklärung gehabt.
Die Rolle der Frau ist im Christentum
über einen langen Zeitraum entwickelt worden"

Lassen Sie es mich ganz nüchtern sagen: Alles kann weiterentwickelt werden. Wir haben im Christentum die Aufklärung gehabt. Die Rolle der Frau ist im Christentum über einen langen Zeitraum entwickelt worden. Dass das angedachte Forschungszentrum eine moderne Entwicklung des Islam und derjenigen, die sie vertreten, unterstützen kann – das ist von entscheidender Bedeutung. Die Grundwerte zu verankern ist unser Ziel. Jede Kultur, jede Religion kann sich verändern. Wenn allerdings diejenigen eine Finanzierung erfahren, die eine rigide, archaische Form des Islam unterstützen, dann kann sich die Demokratie nicht entwickeln.

Wo soll das Forschungszentrum genau angesiedelt sein?

Dies ist noch nicht entschieden. Es ist die Aufgabe der EU-Kommission, dies zu entscheiden. Wichtig ist es jetzt, EU-Kommissar Margaritis Schinas dazu zu bewegen, dass er dieses Projekt beherzt voranbringt.

Monika Hohlmeier
Die CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier. Foto: privat

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