Debatte über Frauendiakonat

Bischof Voderholzer gegen Diakonat der Frau – Bischof Fürst dafür – Bischof Wiesemann hält historische Aufarbeitung für wichtig
Foto: KNA | Erste Stufe des Weihesakraments: der Diakonat. Im Bild eine Weihe in Jerusalem.
Foto: KNA | Erste Stufe des Weihesakraments: der Diakonat. Im Bild eine Weihe in Jerusalem.

Regensburg (DT/om/pd) Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat sich gegen eine Zulassung von Frauen zum Diakonat ausgesprochen. In einer auf Anfrage dieser Zeitung verfassten Stellungnahme erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am Mittwoch: „Was die Empfänger des dreigestuften sakramentalen Dienstamtes in der Kirche betrifft, so hält sich die katholische Kirche wie auch die Orthodoxie in der Treue zu ihrem biblischen und frühkirchlichen Ursprung nicht für berechtigt, von der Praxis Jesu abzuweichen, dafür nur Männer auszuwählen, die in ihrem Dienst Christus den Bräutigam der Kirche sakramental vergegenwärtigen.“

Dass die Frage nach der Weihefähigkeit von Frauen in Bezug auf den Diakonat von der Kirche noch nicht ebenso endgültig geklärt worden sei wie in Bezug auf das Presbyterat, hänge damit zusammen, so Voderholzer weiter, dass die frühkirchliche Lehre vom einen sakramentalen Amt in den drei Stufen von Bischof, Presbyter und Diakon, die schon das Konzil von Trient bekräftigt und das Zweite Vatikanischen Konzil erneuert und vertieft gelehrt hätten, noch nicht überall in ihrer ganzen Tragweite erfasst sei. Der heilige Papst Johannes Paul II. hatte 1994 im Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis erklärt, dass die Kirche keine Vollmacht habe, Frauen zu Priestern zu weihen. Diese Entscheidung sei endgültig. Die Frage des Diakonats der Frau wurde darin indes nicht geklärt.

Zuvor hatte sich der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst mit einem klaren Bekenntnis zum Frauendiakonat in der Debatte um Weiheämter für Frauen zu Wort gemeldet. Beim Festakt zum 100. Geburtstag des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) in seiner Diözese bezeichnete das Mitglied der Glaubenskommission der DBK das mögliche Amt der Diakonin als „Zeichen der Zeit“. Den Einsatz von sogenannten „viri probati“ im priesterlichen Dienst halte er im Vergleich zur Diakonin für „nachgeordnet“, sagte Bischof Fürst am Sonntagnachmittag in der Akademie der Diözese in Stuttgart-Hohenheim. Die seit Jahrzehnten ausstehende Antwort zum Thema Frauendiakonat aus Rom bewerte er nicht als Absage, so Bischof Fürst weiter. Für ihn bedeute das Schweigen, dass der Vatikan das Thema „nicht total verneint“. Bischof Fürst war zu einer Stellungnahme gegenüber dieser Zeitung am Mittwoch nicht bereit.

Mit Blick auf den KDFB, der sich seit Jahren für den Frauendiakonat einsetzt, erklärte Bischof Voderholzer, dass es sehr viel wichtigere und wahrhaft politische Zielsetzungen als die Frage des Frauendiakonats gebe. An Themen nannte er unter anderem eine klare Positionierung gegenüber dem „Gender Mainstream“. Hier sei längst das ursprüngliche und berechtigte Anliegen der Geschlechtergerechtigkeit verlassen worden und die schöpfungsgegebene Geschlechterpolarität von Mann und Frau infrage gestellt. Auch verwies er auf den Kampf um eine größere auch finanzielle Anerkennung der Lebensleistung von Müttern, die einen wahrhaft fundamentalen Dienst für unsere Gesellschaft überhaupt leisteten. Außerdem nannte der Bischof den Einsatz für Frauen, die mitten in unserer Gesellschaft Opfer von Menschenhandel, Sklaverei und sexueller Ausbeutung würden. „Trotz aller Bemühungen auch der Frauenverbände, die nicht übersehen werden, handelt es sich doch gerade bei dem zuletzt angesprochenen Thema um ein Tabu, das unbedingt gebrochen werden müsste. Diese Themen sind meines Erachtens die (allerdings nicht zeitgeist-konformen) Zeichen der Zeit, auf die zu reagieren wäre“, so der Regensburger Bischof.

Voderholzer rechnet derweil nicht mit Überraschungen durch die von Papst Franziskus 2016 eingesetzte Kommission zur Untersuchung des Diakonats der Frau. „Natürlich darf man über alles diskutieren und die Quellen immer und wieder neu sichten. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass die vom Papst eingesetzte Kommission zu anderen Erkenntnissen kommt als die Internationale Theologische Kommission, die sich vor wenigen Jahren ebenfalls im Auftrag des Papstes schon ausführlich mit der Frage befasst hat. Aber warten wir doch einmal das Ergebnis der neuerlichen Kommissionsarbeiten ab.“

Bei der Diskussion um die Einführung eines Diakonats der Frau sei Unterscheidung notwendig, betonte Voderholzer. So habe es ein nicht sakramental verstandenes kirchliches Amt, dessen Trägerinnen „Diakonissen“ genannt wurden, in der frühen Kirche gegeben. Vor allem im syrischen Bereich sei bezeugt, dass es aufgrund einer strikten Trennung der Geschlechter besonders dafür beauftragter Frauen bedurft habe, die bei der Seelsorge oder auch Krankenpflege in Frauenhäusern oder bei der Taufe erwachsener Frauen assistierten. Diese historisch fassbaren Frauenämter entsprächen in heutiger Terminologie etwa der einer „Seelsorgshelferin“ oder Krankenschwester. „So wurde etwa in den 1920er Jahren bei der Gründung der Kongregation der Schwestern der Katholischen Heimatmission auf das historische Vorbild der Diakonissen Bezug genommen, ohne dass man auf die Idee gekommen wäre, dafür die dritte Weihestufe des sakramentalen Dienstamtes in Anspruch zu nehmen“, sagte Voderholzer.

Auf jeden Fall gelte es festzuhalten, so der frühere Theologieprofessor, dass eine Gemeindereferentin, eine Pastoralreferentin, eine Theologieprofessorin, eine Ordinariatsrätin, eine Leiterin des Diözesanmuseums oder des Diözesanarchives, geschweige denn eine Äbtissin oder Generaloberin einer Schwesternkongregation unvergleichlich größere Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten hätten als eine „Diakonisse“ im historischen Sinn.

Der Vorsitzende der Glaubenskommission der DBK, der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann, hält derweil die historische Aufarbeitung der Frage des Frauendiakonats für wichtig. Gegenüber dieser Zeitung erklärte er am Mittwoch: „Meines Erachtens ist es sinnvoll und gut, dass der Heilige Vater die Frage nach dem Diakonat der Frau aufgegriffen hat und sich jetzt eine Kommission in Rom intensiv mit der historischen Aufarbeitung des Diakonats der Frau in der Urkirche beschäftigt.“

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