Bonn/Berlin

DBK: Auch künftig keine Beratungsscheine im Schwangerschaftskonflikt

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) erteilt der Forderung nach Rückkehr katholischer Beratungsstellen in die Scheinberatung eine Absage. Den Einsatz der CDU-Politikerin Flachsbarth für die Abtreibungsorganisation "She decides" will die DBK aber weiterhin nicht kommentieren.
Das Zweite Vatikanische Konzil - 1962
Foto: Gerhard Rauchwetter (dpa) | Die Konzilsväter fanden sehr eindeutige Worte. In der Konstitution „Gaudium et spes“ heißt es klar, Abtreibung sei ein verabscheuungswürdiges Verbrechen.

Mehr Aufmerksamkeit als sonst wird derzeit dem Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) zu teil. „Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz sind im Gespräch mit Frau Flachsbarth“, teilte der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, auf Anfrage der „Tagespost“ mit. Den öffentlichen Einsatz der KDFB-Präsidentin in ihrer Eigenschaft als Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für die IPPF-Tarnorganisation „She Decides“, wollte Kopp auch diesmal nicht kommentieren und verwies auf seine Antwort vom Juli 2020.

Damals hatte diese Zeitung von Kopp wissen wollen, wie die Deutsche Bischofskonferenz „das Engagement der Präsidentin des Katholischen Frauenbundes und Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Maria Flachsbarth (CDU), als ,Champion‘ der Bewegung ,She Decides‘“ bewerte. Schließlich setze sich die Organisation eigenen Angaben zufolge auch für ein „Recht auf Abtreibung“ ein. Kopps Antwort: „Wir kommentieren das Engagement von Frau Flachsbarth in ihrer Eigenschaft als Parlamentarische Staatssekretärin nicht.“ Das klang, als gehe es die Deutsche Bischofskonferenz nichts an, welches Engagement ehrenamtliche Spitzenfunktionäre eines katholischen Verbandes in ihrem Hauptberuf entfalten. Wie auch immer.

Viele Proteste gegen Flachsbarths Engagement

Zuvor hatten nicht wenige Priester und Laien Anstoß daran genommen, dass ein und dieselbe Person einen katholischen Verband repräsentieren und gleichzeitig als deutscher Botschafter einer Organisation fungiert könne, die der internationalen Abtreibungslobby zugerechnet werden muss und ein „Recht auf Abtreibung“ fordert. In Sozialen Medien gaben Katholikinnen ihren Austritt aus dem KDFB bekannt. Enttäuschte CDU-Parteimitglieder wandten sich persönlich an Flachsbarth, andere schrieben ihren Wahlkreisabgeordneten. Vergangene Woche verband nun eine weitere hohe KDFB-Funktionärin ihren Namen mit dem Thema Abtreibung. Im Interview mit dieser Zeitung forderte die Berliner Diözesanvorsitzende des KDFB, Professor Barbara John, „sämtliche Beratungsstellen in katholischer Trägerschaft“ sollten wieder jene Scheine ausstellen, die Frauen und Ärzte nach dem Gesetz zur Vornahme einer straffreien Abtreibung berechtigten.

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Gefragt, welche Position die Deutsche Bischofskonferenz hier vertrete, teilte Kopp der „Tagespost“ mit: „Die Deutsche Bischofskonferenz sieht keine Veranlassung und keine Möglichkeit, dass sich die katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen an der gesetzlichen Beratung beteiligen, die auch eine Beratungsbescheinigung vorsieht.“ Die katholische Kirche lehne den Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich ab, betrachte jedoch die Hilfe für Frauen, die sich aufgrund ihrer Schwangerschaft in einer Notlage oder in einer Konfliktsituation befänden, „als einen zentralen Teil ihres diakonischen Dienstes. Sie hilft und berät. Die Ablehnung der Abtreibung und das Angebot von konkreter Hilfe für Schwangere in Notsituationen gehören eng zusammen und sind gemeinsam unverzichtbare Aspekte des kirchlichen Eintretens für einen umfassenden Lebensschutz.“

In dem in mehrfacher Hinsicht aufschlussreichen Interview, in welchem die diplomierte Theologin und langjährige Ausländerbeauftragte des Berliner Senats vom „werdenden Leben“ spricht und die „geplante Elternschaft“ zum „gelungenen Leben von Frauen“ gehörig erklärt, konfrontiert die Zeitung John mit ihrer in einer Pressemitteilung verbreiteten Behauptung und „Abtreibung ist kein Verbrechen“ und der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes – über die Kirche in der Welt von heute des Zweiten Vatikanischen Konzils in der es heißt: „Abtreibung und Tötung des Kindes sind verabscheuenswürdige Verbrechen“. Gefragt, was sie eigentlich sicher mache, dass die versammelten Konzilsväter und nicht sie irre, antwortete die CDU-Politikerin: Die „lebensfremde Logik“ der Konzilsväter könne „nicht die Antwort“ sein. „Damit lässt sich zwar die eigene Schad- oder Schuldlosigkeit öffentlich vorführen, aber zu Lasten der Frauen, die Unterstützung brauchen statt Verdammnis.“

Erzbischof will mit John sprechen

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Eine Anfrage der „Tagespost“ an den Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, in welcher diese unter anderem wissen wollte, für „wie problematisch“ Koch es erachte, wenn sich herausgehobene Repräsentanten katholischer Verbände in seiner Diözese derart exponieren und ob er dagegen etwas unternehmen werde, ließ der Erzbischof durch seinen Pressesprecher, Stefan Förner, beantworten. Er teilte der „Tagespost“ mit: „Erzbischof Koch hat die Position zur Kenntnis genommen und ist im Gespräch mit Frau Professor John.“ Wer weiß, vielleicht führt die Aufmerksamkeit, die der KDFB derzeit von Bischöfen erfährt, ja noch dazu, dass seine Repräsentanten endlich aufhören, Forderungen der Abtreibungslobby nachzubeten? Profitieren würde davon sicher nicht nur das mitunter ziemlich ramponierte Zeugnis der Kirche, sondern auch viele ungeborene Kinder sowie Orientierung suchende Frauen und Männer.

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