Das Milliardärssterben

Warum die Vernichtung des Reichtums etwas mit dem Wachstum der Armut zu tun haben könnte

Von STefan Rehder

Wähler der Linkspartei aufgepasst! Es gibt Dinge, da gibt es nichts zu lachen, nicht einmal zu schmunzeln. Zu ihnen zählt auch, dass die Zahl der Milliardäre weltweit um ein Drittel gesunken ist. Binnen eines Jahres hat die Rezession 355 Menschen zu Millionären degradiert. Konnten sich – nimmt man den Dollar zum Maßstab – im vergangenen Jahr noch ganze 1 125 Menschen Milliardäre nennen, so sind es in diesem Jahr nur noch 793. Weltweit schmolz das Vermögen aller Milliardäre von 4,4 auf 2,4 Billionen Dollar. Die Tragik des Schicksals der Ex-Milliardäre wird freilich übertroffen von der Tragik des Schicksals der zehn Millionen Kinder, die laut Unicef jährlich an den Folgen extremer Armut sterben. Als extrem arm gilt übrigens, wer weniger als einen Dollar pro Tag zum Leben hat. Jeden Tag sterben weltweit rund 30 000 Kinder, weil ihnen der eine Dollar fehlt.

Das müsste nicht sein. Glaubt man dem Harvard-Ökonomen Jeffrey Sachs, dann würden zusätzliche 30 Milliarden Dollar – investiert in Gesundheitsversorgung und Infrastruktur – ausreichen, um den Ärmsten den Sprung aus ihrer extremen Armut auf ein Existenzminimum zu ermöglichen. Im Grunde könnte Bill Gates, dessen Vermögen das Magazin „Forbes“ auf 40 Milliarden Dollar schätzt, dies im Alleingang regeln. Auf der Liste der reichsten Menschen stünde er dann zwar nicht mehr auf Platz 1, sondern auf Platz 35, den er sich mit Susanne Klatten teilen müsste. Wahr ist aber auch, dass gerade Menschen wie Gates oder Warren Buffet – derzeit der zweitreichste Mensch der Welt – bereits mehr als ein Drittel ihrer Vermögen gespendet haben. Wie sich die Rezession auf die Wohltätigkeit der Superreichen auswirkt, bleibt abzuwarten. Aber vermutlich wissen die längst, was Peter Ustinov einmal so formulierte: „Es macht wenig Sinn, der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein.“

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