Berlin

Das Maß des HG Maaßen

Maaßen zeigt im Umgang mit der WerteUnion Geschick. Der eigentliche Traumkandidat der Merkel-Kritiker bleibt aber weiter Friedrich Merz. Ein Kommentar.

Hans-Georg Maaßen
Hans-Georg Maaßen ist seit seiner Bundestagskandidatur die zentrale Leitfigur für das Lager, das die WerteUnion anspricht. Foto: Michael Reichel (dpa)

Hans-Georg Maaßen will sich nicht weiter zur Entwicklung der WerteUnion gegenüber den Medien äußern. Und dennoch hat er schon vorher in einer Mini-Mitteilung das weitere Schicksal dieser Gruppierung besiegelt: Er lasse die Mitgliedschaft in der WU ruhen, erklärte der ehemalige Verfassungsschutzpräsident. Maaßen ist aber seit seiner Bundestagskandidatur die zentrale Leitfigur für das Lager, das die WerteUnion anspricht. In der Union waren immer Personen Kristallisationspunkte, nie programmtisch wirkende Gruppen. Wenn sich die Konservativen also sammeln werden, dann um eine Person wie Maaßen. Und dabei bestimmt dieser auch die Richtung,

Die Parteispitze kritisieren, aber nicht beschimpfen

Gewiss, der eigentliche Traumkandidat der Merkel-Kritiker für diese Führungsrolle ist weiterhin Friedrich Merz. Doch der hatte, obwohl in Pressemitteilungen von der WerteUnion als Heilsbringer glorifiziert, schon immer merklich Abstand gehalten. Und das war auch geschickt. Denn der alte Parteipolitiker Merz weiß natürlich, dass in der Union abseits von inhaltlichen Werten vor allem Loyalität zählt. Man kann die Parteispitze kritisieren, darf sie aber nicht beschimpfen. Sonst verliert auch der größte Basis-Liebling irgendwann die Anschlussfähigkeit. Schaltet Maaßen jetzt auch in den Merz-Modus?

Jedenfalls muss er sich hüten, in den Verdacht der Illoyalität zu geraten. Sonst zieht nämlich seine Argumentation nicht mehr, er wolle Wähler für die Union zurückgewinnen. Der Cantus firmus der Merkelisten, die Konservativen aus der WU bildeten eine Art fünfte Kolonne der AfD, wird schließlich nun besonders laut angestimmt. Zugute kommen könnte allerdings Maaßen und der konservativen Basis der Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Auch Armin Laschet dürfte hier erkannt haben, dass die Union konservative Frontmänner braucht, wenn sie im Osten Wahlen gewinnen will.

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