Das Glaubenswissen vertiefen

Ab Montag tagt der deutsche Episkopat in Regensburg – Der Ortsbischof nimmt Stellung zu aktuellen Debatten. Von Regina Einig
Exzellenz, der Studientag befasst sich dieses Mal mit der Entwicklung der Katholisch-Theologischen Fakultäten. Wo sehen Sie hier den dringendsten Reformbedarf?

Wir wollen und brauchen für die Theologischen Fakultäten den Standort der Universität. Aber ohne wissenschaftliche Leistungen der Professoren und echtes kirchliches Engagement wird es nicht gelingen. Leidenschaft für Gott und seine Offenbarung und ein Verständnis der Lehre als Dienst an der Wahrheit für die Studierenden sind das Gebot der Stunde. Befähigung zu wissenschaftlichen Arbeiten und eine gelebte Katholizität sind die Voraussetzungen der Nachwuchsförderung. Von Theologinnen und Theologen erwarten wir Bischöfe gewichtige Schriften und nicht leichtfertige Unterschriften bei substanzlosen Memoranden und wohlfeilen Petitionen. Wir lassen es nicht zu, wenn Traditionalisten das II. Vatikanum hintergehen und Progressisten es unterlaufen.

Der Dialogprozess geht im Mai in Mannheim in eine neue Runde. Wie beurteilen Sie dessen Verlauf bisher?

Der Dialogprozess wird nur dann eine positive Wirkung haben, wenn ihn selbsternannte „Kirchenreformer“ nicht mehr instrumentalisieren gegen die katholische Lehre und Kirchenverfassung, wie sie durch das II. Vatikanum umfassend formuliert worden sind. Es geht um die Erneuerung von uns und nicht der Kirche, die wir zum Sündenbock machen, um vom eigenen Versagen abzulenken. Wir brauchen eine Vertiefung und Erweiterung des Glaubenswissens. Jeder Katholik in einem kirchlichen Gremium sollte wenigstens den Katechismus kennen oder die zwei Bände unseres deutschen Katechismus parat haben, bevor er zu den großen Fragen das Wort ergreift. Notwendig ist eine Intensivierung des kirchlichen Lebens in Lehre und Praxis, im Beten und im moralischen Handeln. Nicht die kirchliche Sexualmoral muss auf den Prüfstand, sondern das Gewissen derer, die sie brechen und ihrem Nächsten durch ihre Eigenliebe soviel Schaden zufügen. Der Diffamierung tausender eifriger Priester ist mit allem christlichen Freimut zu begegnen. Der Zölibat und die Zusammengehörigkeit im Presbyterium unter dem Vorsitz des Bischofs ist keine strukturelle Ursache für das schlimme Fehlverhalten von Individuen. Jede Zuweisung von Kollektivschuld ist amoralisch.

Mehrfach haben Diözesanräte mit Blick auf den Dialogprozess Ergebnisse gefordert. Welches Ergebnis halten Sie für realistisch?

Ergebnis kann nicht die Erfüllung eines Katalogs von Forderungen sein, die der Lehre der Kirche widersprechen. Pastorales Bemühen um die zivil Geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken darf nicht die Worte Christi von der Unauflöslichkeit der Ehe von Mann und Frau als Sakrament und Gnadenmittel für das Ehepaar, die Familie und die Kirche relativieren. Das Weihesakrament in den Stufen von Bischof, Priester, Diakon kann gültig nur einem getauften und mit der katholischen Kirche voll übereinstimmenden Mann gespendet werden. Daran können auch Unterschriftensammlungen und medial erzeugter Druck auf „Rom“ nichts ändern. Die frei werdende Energie sollen wir in die Jugendarbeit umlenken, damit gläubige und praktizierende junge Menschen die hohe Berufung zur sakramentalen Ehe, zum Ordensstand oder zum priesterlichen Dienst erfassen können. Ich erwarte vom Dialogprozess die Erneuerung in Christus und das Ende der Fraktionsbildungen und der Agitationen von Gruppen, die die Kirche nach eigenen Vorstellungen ummodeln wollen. Einen Satz des II. Vaticanums sollte man auf einem Transparent über der Dialogrunde anbringen: „Christus ist das Licht der Völker. Darum ist es der dringende Wunsch dieser im Heiligen Geist versammelten Heiligen Synode, alle Menschen durch seine Herrlichkeit, die auf den Antlitz der Kirche widerscheint, zu erleuchten, indem sie das Evangelium allen Geschöpfen verkündet“ (Lumen gentium 1).

Stichwort Weltbild: Medienberichten zufolge kommt für die deutschen Bischöfe statt eines Verkaufs auch als Alternative eine Trennung und struktureller Umbau in Frage. Was halten Sie davon?

Das ist ein interessanter Gedanke, über den zu diskutieren sich lohnt. Allerdings muss dann auch sichergestellt sein, dass im Rahmen der neuen Strukturen keine menschenverachtenden Produkte mehr von Weltbild vertrieben werden.

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