Xinjiang

Chinas Vorgehen hat das "Niveau eines Völkermords"

Religionsführer verurteilen das Vorgehen des chinesischen Regimes gegen muslimische Uiguren in der Provinz Xinjiang.

Demonstration gegen Unterdrückung der Uiguren
Hinter einem Transparent mit der Aufschrift "Genozid stoppen! Konzentrationslager #MadeinChina" demonstrieren Menschen gegen die Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren in China. Foto: Markus Scholz (dpa)

Prominente Vertreter verschiedener Religionen haben einen aufrüttelnden Appell angesichts der massenhaften Misshandlung von Muslimen in China unterzeichnet. Das britische katholische Wochenmagazin "The Tablet" und weitere britische Medien berichteten ausführlich. Der katholische Menschenrechtler und Asienexperte Benedict Rogers schrieb in "The Tablet": "Es gibt nicht viele Themen, die einen ehemaligen Erzbischof von Canterbury, sieben anglikanische Bischöfe, zwei asiatische Kardinäle, einen kop-tisch-orthodoxen Erzbischof, zwanzig jüdische Rabbiner, mehr als zwanzig muslimische Kleriker, den Vertreter des Dalai Lama, den Hauptgeschäftsführer der Humanisten in Großbritannien und einen führenden Baptisten aus den Südstaaten der USA zusammenbringen würden." Zu den Unterzeichnern gehören katholischerseits Kardinal Charles Maung Bo von Myanmar, Kardinal Ignatius Suharyo von Indonesien, der britische Bischof Declan Lang (Clifton) sowie unter anderen die Jesuitenpater Nicholas King (Oxford) und Dominic Robinson (Westminster). Auch der koptisch-orthodoxe Erzbischof Angaelos von London unterschrieb.  

"Eine der schrecklichsten menschlichen Tragödien seit dem Holocaust"

In der Erklärung heißt es: "Mindestens eine Million Uiguren und andere Muslime in China sind in Gefangenenlagern inhaftiert und mit Hunger, Folter, Mord, sexueller Gewalt, Sklavenarbeit und erzwungener Organentnahme konfrontiert." Jüngsten Erkenntnissen zufolge gäbe es auch eine "Kampagne zur Zwangssterilisierung und Geburtenverhütung, die sich gegen mindestens 80 Prozent der uigurischen Frauen im gebärfähigen Alter" richte. Dieses Vorgehen könne das "Niveau eines Völkermordes" im Sinne der Völkermordkonvention von 1948 erreichen.

Es handele sich um "eine der schrecklichsten menschlichen Tragödien seit dem Holocaust". Weiter heißt es: "Nach dem Holocaust sagte die Welt: ,Nie wieder . Heute wiederholen wir diese Worte ,Nie wieder  ganz von vorn. Wir stehen bei den Uiguren. Wir stehen auch zu den tibetischen Buddhisten, Falun Gong-Praktizierenden und Christen in ganz China, die sich der schlimmsten Niederwerfung der Religions- und Glaubensfreiheit seit der Kulturrevolution gegenübersehen."

Auch außerhalb der Lager werde die Religionsfreiheit verweigert

Auch außerhalb der Lager werde die Religionsfreiheit verweigert. Moscheen würden zerstört, Kinder von ihren Familien getrennt. Bereits der Besitz eines Korans sowie Beten oder Fasten könnten zur Verhaftung führen. Der "aufdringlichste Überwachungsstaat der Welt" dringe in jeden Aspekt des Lebens in der westchinesischen Provinz Xinjiang ein. Das "klare Ziel der chinesischen Behörden" sei die "Auslöschung der uigurischen Identität".  

Die Unterzeichner rufen dazu auf, die "Verfolgungen und Massengräuel" nicht ungestraft weitergehen zu lassen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und einen "Weg zur Wiederherstellung der Menschenwürde einzuschlagen". Sie appellieren dafür auch an "Parlamentarier, Regierungen und Juristen". Sie zitieren Dietrich Bonhoeffer: "Schweigen im Angesicht des Bösen ist selbst böse (...) Nicht sprechen ist sprechen. Nicht zu handeln ist zu handeln."

Zwei Weltreligionsführer mit erheblichem Einfluss

Benedict Rogers betonte in einem Kommentar in "The Tablet" zu der Erklärung, dass diese auch "einige der prominentesten jüdischen Führer Großbritanniens" unterzeichneten: "Wir alle schulden der jüdischen Gemeinde große Dankbarkeit für diesen Weckruf. Wichtig ist, dass jetzt auch andere das Wort ergreifen."
Im katholischen Nachrichtendienst für Asien UCA schrieb Rogers ferner: "Es gibt zwei große Weltreligionsführer, deren Stimmen erheblichen moralischen Einfluss haben, die sich noch nicht zu Wort gemeldet haben: Papst Franziskus und der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby." Vielleicht hätten diese, so Rogers, "Gründe, ihre Zeit bis jetzt abzuwarten. Doch jetzt, da so viele ihrer eigenen Geistlichen das Wort ergreifen, wird die Welt auf die Antworten dieser beiden geistlichen Führer warten."

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