London/Peking

China will Bibel „sozialistisch“ umschreiben

Auch der Koran soll angepasst werden. Menschenrechtler rufen Christen zu Widerstand auf.
China will Bibel und Koran umschreiben.
Foto: Rolex Dela Pena (epa) | Laut "Daily Mail" will Peking die Bibel und den Koran "sozialistischen Werten" anpassen. Die "Mao-Bibel" braucht derlei Eingriffe nicht fürchten.

China will laut einem Medienbericht die Bibel und den Koran gemäß der „sozialistischen Werte“ umschreiben. Neuauflagen solcher religiösen Bücher dürften keine Inhalte enthalten, die Überzeugungen der Kommunistischen Partei zuwiderlaufen, zitiert das Internetportal der britischen Zeitung „Daily Mail“ einen Spitzenbeamten. Die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) berichtet darüber. Textteile, die von der Zensur als falsch eingestuft werden, würden geändert oder neu übersetzt, hieß es in dem Bericht von „Daily Mail“.

Beamte sollen ein „religiöses System mit chinesischen Merkmalen“ aufbauen

Ohne Bibel und Koran namentlich zu erwähnen, forderte die Partei eine „umfassende Bewertung der religiösen Klassiker, die auf Inhalte abzielen, die nicht dem Fortschritt der Zeit entsprechen“. Der Auftrag wurde demnach bereits im November erteilt. Die religiösen Autoritäten müssten den Anweisungen von Präsident Xi Jinping folgen und die Ideologien der verschiedenen Religionen im Einklang mit den „Grundwerten des Sozialismus“ und den „Erfordernissen der Epoche“ interpretieren, berichtete die französische Zeitung „Le Figaro“ über den Auftrag. 

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Die Beamten seien aufgefordert, „ein religiöses System mit chinesischen Merkmalen“ aufzubauen. Durch eine „Neubewertung“ religiöser Bücher werde verhindert, dass „extreme Gedanken“ und „ketzerische Ideen“ das Land untergraben, hieß es. Die Nachricht kommt zu einer Zeit, in der sich China scharfer Kritik wegen seines Vorgehens gegen die muslimische Minderheit der Uiguren ausgesetzt sieht. Nach Angaben von Fachleuten der Vereinten Nationen werden mindestens eine Million Muslime in den Haftanstalten in Xinjiang in Westchina festgehalten.

Open Doors: Kirche kann solche Ungeheuerlichkeit nicht zulassen

Schon im November hatten Menschenrechtsgruppe gegen die Pläne Pekings, Religionen zu „sinisieren“ und die Bibel „neu zu übersetzen“ protestiert und zum Widerstand aufgerufen. Der Vorsitzende von „Open Doors“, David Curry, hatte gegenüber der Agentur „Mission Network News“ erklärt: Die Kirche in China müsse heraus aus ihrer passiven Zone und ihren Glauben aktiv in jeden Bereich einbringen. „Das schließt Widerstand ein, wenn die chinesischen Regierung beschließt, die Bibel zu ,bearbeiten’.“ Die Kirche könne solche Ungeheuerlichkeiten nicht zulassen und müsse sie beim Namen nennen und dagegen aufstehen.

Auch Bob Fu, Gründer und Präsident von China Aid, einer gemeinnützige Nichtregierungsorganisation, die Christen in China Rechtsbeistand bietet, rief zum Widerstand auf. Bereits früher hatte Fu berichtet, Peking plane, die Bibel neu zu schreiben und mehr kommunistische Charakteristika einzuschließen. Dies sei Teil der Strategie, das Christentum der chinesischen Kultur anzupassen und es mit der staatlichen Ideologie kompatibel zu machen.

Nach Angaben des Aktivisten Fu solle das Alte Testament neu „übersetzt" werden. Auch sei ein Kommentar mit buddhistischen und konfuzianischen Elementen zum Neuen Testament geplant. Es gebe Pläne, dass die neue „Bibel“ chinesisch aussehen und eine chinesische Ethik von Konfuzianismus und Sozialismus widerspiegeln soll, so Fu. „Das Alte Testament wird völlig verdorben werden. Das Neue Testament wird neue Kommentare erhalten, nach denen es zu interpretieren ist.“ 

DT

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