Blutiger Beginn des Ramadan

Islamistischer Terror im Orient und in Afrika kostet hunderte Menschen das Leben – Sunnitische ISIS kreuzigte Christen nahe Aleppo
Foto: dpa | Schiiten in der Kaschmir-Region demonstrieren gegen den Terror der ISIS-Brigaden, zugleich aber auch gegen Israel und die USA.
Foto: dpa | Schiiten in der Kaschmir-Region demonstrieren gegen den Terror der ISIS-Brigaden, zugleich aber auch gegen Israel und die USA.

Tikrit/Abuja (DT/dpa/KNA/sb) Zum Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan haben islamistische Terroristen im Orient und in Afrika ihre Anschläge und Gräueltaten intensiviert. Nach militärischen Erfolgen in Syrien und im Irak hat die Dschihadisten-Miliz ISIS in beiden Ländern ein islamisches Kalifat ausgerufen. In einer Botschaft vom Sonntag verkündet der Sprecher der Gruppe, Abu Mohammed al-Adnani, erster Kalif des neuen Gottesstaats sei ISIS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi. Alle Muslime müssten ihm Gefolgschaft schwören.

Nahe Aleppo im Norden Syriens richteten ISIS-Kämpfer acht Männer öffentlich hin und kreuzigten sie. Von den öffentlichen Kreuzigungen berichtete am Sonntag die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien. Die Opfer seien in Deir Hafir getötet worden, weil sie für andere Rebellen gekämpft haben sollen. Die Leichen der Männer wurden auf einem Platz gekreuzigt und sollen dort drei Tage bleiben.

Im nord-irakischen Mossul sind laut Bericht des Caritasverbands Essen die beiden letzten verbliebenen Ordensschwestern verschleppt worden. Sie seien mit drei Waisenkindern aus einem Waisenhaus nahe der Kathedrale entführt worden, berichtete der Irak-Beauftragte des Caritasverbandes, Rudi Löffelsend, unter Berufung auf syrisch-katholische Priester vor Ort. Die Ordensschwestern hätten dort ausgeharrt, um die Kinder nicht zu verlassen. Unterdessen kehren nach Angaben von Löffelsend immer mehr Christen in die Stadt Karakosch zurück, die von ISIS-Kämpfern mit schweren Granaten beschossen worden war. Daraufhin waren fast 40 000 Christen geflüchtet. Die kurdische Regierung und christliche Organisationen hätten Busse gestellt, um eine Rückkehr zu ermöglichen.

Papst Franziskus hat sich für die Einheit des Irak und ein Ende der Gewalt ausgesprochen. Im Dialog müsse alles versucht werden, um einen Bürgerkrieg zu vermeiden, sagte er am Sonntag auf dem Petersplatz. Franziskus bekundete „tausenden Familien, vor allem Christen, die ihre Häuser verlassen mussten und sich nun in großer Gefahr befinden“, seine Verbundenheit. „Gewalt erzeugt andere Gewalt; der Dialog ist der einzige Weg zum Frieden.“

US-Präsident Barack Obama warnte vor „Dschihad-Touristen“. Europäer, die zum Kämpfen in die Region reisten, könnten auch eine Gefahr für die Sicherheit Amerikas darstellen. Die Dschihadisten sammelten in Syrien und im Irak Kampferfahrung, sagte er am Sonntag im Sender ABC-News. „Dann kommen sie zurück. Sie haben europäische Pässe. Sie brauchen kein Visum, um in die Vereinigten Staaten einzureisen.“ Es sei daher wichtig, dass die USA ihre Geheimdienst- und Überwachungsaktivität in der Region ausbauten. Spezialkommandos spielten eine große Rolle. „Und es wird Schläge gegen Organisationen geben, die uns gefährden könnten“, sagte Obama.

Zum Auftakt des Fastenmonats Ramadan haben in Nigeria Terroristen von Boko Haram mehrere Kirchen attackiert und rund 100 Christen getötet. Erstes Ziel der Attacken waren am Sonntag fünf Kirchen in Kwada bei Chibok im Bundesstaat Borno. Einem Bericht der „Daily Post“ zufolge kamen rund hundert Menschen ums Leben. Die Terroristen töteten Christen auf dem Weg zur Kirche. Anschließend griffen sie im Nachbarort Kautikari Zivilisten an und setzten Gebäude in Brand. Der Generalsekretär des Obersten Muslim-Rates Nigerias, Ishaq Oloyede, distanzierte sich von den Anschlägen und rief in seiner Ansprache zum Ramadan Nigerias Regierung auf, beim Kampf um die Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit standhaft zu bleiben. Der islamische Theologe Musa Abdur-Raheem sagte in Abuja: „Boko Haram repräsentiert nicht den Islam. Die Muslime wünschen den Frieden, und die meisten Opfer von Boko Haram sind Muslime.“

Am Freitag hatten Attentäter von Boko Haram im Rotlichtviertel der Stadt Bauchi elf Menschen getötet und 28 weitere verletzt. Mehrere Angreifer in Militäruniformen warfen in einem Hotel des Vergnügungsviertels Bayangari Sprengsätze und schossen wahllos auf Gäste und Personal. Auch im Süden Nigerias wächst jetzt die Angst vor den Islamisten. Die Diözese Enugu verbot Frauen, mit Handtaschen in den Gottesdienst zu kommen. Die Kirche habe den Beschluss nach jüngsten Terrorangriffen auf Kirchen im Süden gefasst. In den Taschen könnten Sprengsätze sein. In den vergangenen Monaten haben die Terroristen fast täglich Anschläge verübt.

In der somalischen Hauptstadt Mogadischu wurden drei Sicherheitskräfte am Sonntag auf offener Straße erschossen. Die islamistischen Al-Shabaab-Milizen in Somalia hatten angekündigt, während des Ramadan ihren Kampf zu intensivieren.

Auch das islamische Pakistan kommt nicht zur Ruhe: Die Armee startete am Montag ihre Bodenoffensive gegen islamistische Terrorgruppen im Stammesgebiet Nord-Waziristan. Zum Auftakt seien 15 Extremisten getötet worden, teilte die Armee mit. Drei Soldaten seien bei Gefechten verwundet worden. Die Armee teilte mit, seit Beginn der Operationen am 15. Juni seien 376 Terroristen und 17 Soldaten getötet worden. 19 Extremisten hätten sich ergeben. 61 Stellungen von Terrorgruppen seien zerstört worden. Nach früheren Angaben der Armee sind fast eine halbe Million Zivilisten vor der Gewalt geflohen. Bei einem Angriff hunderter Taliban-Kämpfer auf Stellungen von Sicherheitskräften sind am Montag im Osten Afghanistans mehr als 50 Menschen getötet worden.

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