Moskau

Bischof Hilarion hält Bidens Transgender-Aussage für „blasphemisch“

Der orthodoxe Bischof Hilarion, Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, kritisiert die Propagierung von geschlechtsangleichenden Maßnahmen bei Kindern und hält sie für eine kriminelle Handlung.

Bischof Hilarion
Der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Bischof Hilarion Alfeyev, kritisierte im Interview leichtfertige Geschlechtsumwandlungen. Foto: imago stock&people (imago stock&people)

Die konservative Webseite Intellectual Takeout berichtet über ein Interview, dass der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Bischof Hilarion Alfeyev, vor wenigen Tagen dem Fernsehsender „Russia 24“ gegeben hat. Darin übt der russisch-orthodoxe Metropolit von Wolokolamsk scharfe Kritik an den Äußerungen Joe Bidens, denen zufolge dieser während eines Wahlkampfauftrittsder Mutter einer Achtjährigen, die sich als Transgender identifiziert, auf ihre Frage geantwortet hatte: „In Bezug auf den Gedanken, dass ein achtjähriges oder zehnjähriges Kind entscheidet, ‚ich habe mich entschlossen, dass ich Trangender sein möchte‘, sollte es keinerlei Diskriminierung geben“.

Umwandlung ist Verstümmelung

In dem Gespräch mit dem russischen Fernsehsenderlehnte Bischof Hilarion Geschlechtsumwandlungen ab - sie seien „nichts anderes als eine Verstümmelung“. Er glaube, es sei ein Verbrechen, Kinder derartigen Verfahren zu unterziehen: „Ich meine, dass Leute, die solche Vorstellungen fördern, verhaftet werden sollten. Ein achtjähriges Kind oder auch ein 16 Jahre altes Mädchen zu verstümmeln. Sie sollten das Recht haben, erwachsen zu werden, um solche Entscheidungen zu treffen“.

Geschlecht nicht zu ändern

Der 54-jährige orthodoxe Bischof fügte hinzu, dass aus seiner Sicht ein Mensch sein Geschlecht überhaupt nicht ändern könne, sondern nur den Anschein einer Umwandlung erzeuge: „Entschuldigen Sie, dass ich hier in die Einzelheiten gehe, doch wenn man beispielsweise eine Frau in einen Mann umwandeln will, dann nimmt sie zunächst verschiedene Hormone ein, um männlicher auszusehen. Dann wird sie operiert und ihre Brüste werden amputiert. Anschließend wird ihr ein künstlich hergestellter Anschein eines männlichen Geschlechtsorgans aufgepflanzt. Es funktioniert nicht als männliches Geschlechtsorgan, sondern erzeugt die Illusion, dass diese Frau zu einem Mann geworden ist“. Dem russischen Prälaten nach seien Geschlechtsumwandlungen und eine Propaganda zur Geschlechtsangleichung „Blasphemien“.

Klarheit verloren

Noch bis vor wenigen Jahren, so heißt es auf der Webseite von Intellectual Takeout, seien die Anschauungen von Bischof Hilarion im Sinne der christlichen Tradition „nicht weiter bemerkenswert“ gewesen. Man habe daran festgehalten, „dass es einen gottgegebenen Zusammenhang zwischen dem Gender und dem biologischen Geschlecht eines Menschen gibt, der durch die subjektive Selbstdefinition dieses Menschen nicht zerrissen werden kann“. Doch eine derartige Klarheit existiere in manchen westlichen theologischen Kreisen nicht mehr. Es sei heute legitim, Gender und Geschlechter „als kreativen Ausdruck des Ich“ zu sehen, wie etwa der Moraltheologe an der Katholischen Universität in Washington David Cloutier meint. DT/ks

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