Bischöfe rufen zu Fasten und Gebet auf

Frankreichs Hirten empfehlen Gläubigen die geistlichen Waffen – Kardinal Marx: Der Atmosphäre von Hass und Gewalt widerstehen
Foto: IN | Trauer und Bestürzung über den Mord an dem Geistlichen Jacques Hamel.

Rouen/Krakau (DT/KNA) Nach der Ermordung des 85-jährigen katholischen Priesters Jacques Hamel haben die französischen Bischöfe alle Katholiken des Landes für Freitag, 29. Juli, zu einem Tag des Fastens und Gebets aufgerufen. Das gab der Generalsekretär der Bischofskonferenz Frankreichs, Olivier Ribadeau Dumas, am Dienstag in Krakau beim 31. Weltjugendtag bekannt. Er mahnte zugleich, Hass und Gewalt dürften nun nicht die Oberhand gewinnen. Auch nach der Mordtat dürfe es nicht zu Fremdenfeindlichkeit kommen: „Wir müssen Verdächtigungen gegen unsere Nachbarn zurückweisen“, so Dumas. „Wir ermutigen alle jungen Leute, im Sinne von Papst Johannes Paul II. eine Zivilisation der Liebe zu bilden“, sagte Dumas. Er erinnerte daran, dass Papst Franziskus alle Gemeinden aufgefordert habe, Immigranten aufzunehmen. Der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Erzbischof Georges Pontiers von Marseille, äußerte nach Angaben der französischen Tageszeitung „La Croix“ , ganz Frankreich sei getroffen worden. Doch gerade im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit werde das Geschehen die Christen im Gebet bestärken. „Unsere Waffe ist die Barmherzigkeit“, so Erzbischof Pontiers.

Papst Franziskus äußerte sich erschüttert über die Geiselnahme und bekundete den Angehörigen der Opfer sein Beileid. Er sei „zutiefst erschüttert darüber, dass dieser Akt der Gewalt in einer Kirche während eines Gottesdienstes stattfand, einer liturgischen Handlung, die den Frieden von Gott erbittet“, heißt es in einem Beileidstelegramm des Papstes an den Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun. Franziskus schließe sich dem Gebet der Angehörigen, der Pfarrei und des Bistums an, so das von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichnete Schreiben. Zugleich bitte er Gott, dass sich in dieser neuerlichen Prüfung alle vom Gedanken der Versöhnung und der Brüderlichkeit leiten ließen.

Der Erzbischof des zuständigen Bistums Rouen, Dominique Lebrun, sprach von einem weiteren Blutbad, das tief betroffen mache. „Ich weine zu Gott – mit allen Menschen guten Willens“, hieß es in einer am Dienstag in Krakau veröffentlichten Stellungnahme Lebruns. Auch alle, die nicht glaubten, seien eingeladen, in die Klage einzustimmen. Er erinnerte daran, dass für die katholische Kirche keine anderen Waffen als das Gebet und die Brüderlichkeit zwischen den Menschen infrage kämen.

Lebruns Vorgänger, der emeritierte Erzbischof von Rouen Jean-Charles Descubes, beschrieb den ermordeten Geistlichen Hamel in der französischen Tageszeitung als aufmerksamen und diskreten Mann mit herausragendem Missionsgeist. Der rüstige Geistliche habe bis zuletzt an allen Priestertreffen seines Dekanats teilgenommen. Zum Ferienbeginn habe Jacques Hamel die Gemeinde im Pfarrbrief dazu aufgefordert, die Sommerpause zur geistlichen Erholung zu nutzen und „Gottes Einladung zu vernehmen“.

Schwester Danielle, die sich ebenfalls unter den Opfern der Geiselnahme befand, allerdings aus der Kirche fliehen und die Polizei alarmieren konnte, fand bewundernde Worte für Pater Hamel: „Alles, was ich über ihn sagen will, ist, dass er ein außergewöhnlicher Priester war; ein sehr guter, großartiger Mensch.“

Der im französischen Rouen für Beziehungen zu Muslimen zuständige Priester Pierre Belhache, der bis 2011 die Pfarrei des Ermordeten leitete, beschrieb Jacques Hamel als sehr engagiert und aufmerksam. Gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur unterstrich Belhache den multikulturellen Charakter der Gegend. Rouen sei eine Stadt, in der viele Migranten aus traditionell muslimischen Ländern lebten. Auch die katholische Bevölkerung sei vielfältig; viele Gläubige kämen aus Portugal, Spanien oder Italien. Seit den Anschlägen auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ im Januar 2015 habe es in Rouen regelmäßig Treffen der muslimischen und christlichen Vertreter der Gemeinde gegeben.

Die katholischen Bischöfe des Heiligen Landes reagierten mit Entsetzen auf die tödliche Geiselnahme. Es handele sich um eine „kaltblütige Enthauptung“, hieß es in einer Stellungnahme. Entsetzt zeigten sich die Bischöfe auch von der „wachsenden Dichte des Terrors“ weltweit in den vergangenen Tagen, insbesondere in Deutschland und Frankreich. In ihrer Solidaritätsbotschaft an die Kirche Frankreichs sowie an alle Terroropfer forderten die Bischöfe die politischen Führer weltweit zu „weisem und entschiedenem Handeln“ gegen den Terrorismus und seine Ursachen auf. Der Gebrauch von Gewalt im Namen von Religion müsse gestoppt und Religion stattdessen als „Weg zur Förderung von gegenseitigem Respekt und Verständnis zwischen allen Nationen“ genutzt werden.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, betonte am Dienstag in Bonn, der Mordanschlag sei erschreckend. „Gläubige, zum Gottesdienst in einer Kirche versammelt, wurden zum Opfer einer schrecklichen Gewalttat. Hier soll Hass zwischen den Religionen geschürt werden. Dem werden wir widerstehen und uns der Atmosphäre von Hass und Gewalt nicht anschließen.“ Die Antwort könne nicht eine Verschärfung des Hasses und des Gegeneinanders sein, sondern nur der Versuch, die Täter zu stellen und alles zu tun, damit nicht neue Gewalt geschehe, fügte der Münchner Erzbischof hinzu.

Marx bat um ein Gebet für den ermordeten Priester, für die noch in Lebensgefahr schwebende Ordensschwester und die anderen Gläubigen, die Opfer der Geiselnahme wurden. „Unser Gebet gilt auch den Tätern.“ (Siehe auch Seite 2 und 3)

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