Balkanische Wirren

Stabilität und Chaos, europäische Sehnsucht und Nationalismus wohnen in Südosteuropa Tür an Tür: So brachte am Sonntag die Wahl in Mazedonien, bei der die konservative VMRO unter Premier Gruevski die absolute Mehrheit der Parlamentssitze errang, eine innenpolitische Stabilisierung: Erstmals gab es keine inner-mazedonischen Kämpfe, eine klare Bestätigung für die erfolgreiche Regierung und eine stabile Mehrheit. Gleichzeitig zeigen Schusswechsel und Gewalttaten zwischen den verfeindeten Albaner-Parteien Mazedoniens aktuelle Gefahren: Ohne klare Europa-Perspektive wuchern mafiose Strukturen und nationalistische Extremismen.

Die siegreiche VMRO, der sich die kleinen nationalen Minderheiten anschlossen, kann eine stabile Regierung bilden. Ob sie die Probleme des Landes lösen kann, ist aber nicht gesagt: Albaner-Führer Ahmeti hat ein enormes Erpressungspotenzial. Alle Nachbarn außer Albanien beäugen das kleine Mazedonien voll Missgunst. Vor allem Nato- und EU-Mitglied Griechenland, das dem nördlichen Nachbarn den Staatsnamen „Mazedonien“ streitig macht, trägt zur Destabilisierung gehörig bei, blockiert den Beitritt zu Nato und EU.

Mehr Chaos als Stabilität in Serbien: Wie wenig die angeblich europa-orientierten „Demokraten“ von Präsident Tadic über die dunklen Schatten der serbischen Vergangenheit zu springen bereit sind, bewies ein skandalöser Auftritt von Außenminister Vuk Jeremic in Zagreb. Der Tadic-Vertraute beschuldigte Kroatien, für den Krieg Anfang der 90er Jahre verantwortlich gewesen zu sein und eine „ethnische Säuberung“ gegen die Serben betrieben zu haben. Das ist so verlogen, dreist, absurd und gefährlich, dass man nicht nur an der politischen Qualifikation, sondern auch am Verstand des serbischen Außenministers zweifeln muss. sb

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