Washington, D.C.

Ausschreitungen in Washington: Amerika debattiert die Verantwortung von Katholiken

Die US-Zeitung „National Catholic Reporter“ fordert Reue und Buße von Katholiken, die in den vergangenen Jahren Donald Trump unterstützten. Auch Kardinal Dolan und Raymond Arroyo von EWTN sollen Buße tun. Anders sieht es das "Crisis Magazine".

Zertifizierung der US-Wahlergebnisse im US-Kongress
Anhänger von US-Präsident Donald Trump stürmten das US-Kapitolgebäude, wo die Abgeordneten den Sieg des gewählten Präsidenten Joe Biden bei der Wahl im November bestätigen sollten. Foto: Essdras M. Suarez (Zuma Press)

Nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington durch Anhänger des US-Präsidenten Donald Trump diskutieren mehrere katholische Medien darüber, welche Verantwortung Christen für die Eskalation tragen. Deutliche Kritik an prominenten christlichen Amtsträgern und Medienschaffenden äußert der "National Catholic Reporter" (NCR). In einem Leitartikel fordert die Zeitschrift von katholischen Unterstützern des US-Präsidenten, sich öffentlich für ihre wohlwollende Haltung Trump gegenüber zu entschuldigen. Darin eingeschlossen sei auch „sogar Vizepräsident Mike Pence, der zwar versucht hatte, das Richtige zu tun“, als er nach dem Sturm auf das Kapitol „vernünftige Ansprachen hielt“.

Sie haben Blut an ihren Händen

Dennoch könne er nicht die vergangenen vier Jahre der Unterstützung Trumps auslöschen. „Katholische Verteidiger“ Trumps „haben Blut an ihren Händen. Manche Katholiken hätten zu dieser Präsidentschaft geschwiegen und ihr zugejubelt – „darunter auch einige Bischöfe, Priester, einige wenige Ordensschwestern, rechtsstehende katholische Medien und zu viele Menschen aus der Pro-Life-Bewegung“. Der National Catholic Reporter nennt auch Namen: „CatholicVote.org, der [ehemalige] Generalbundesanwalt William Barr und andere Katholiken in der Trump-Regierung, Amy Coney Barrett, Kardinal Timothy Dolan“ und weitere.

Viele Katholiken stimmten für Trump

Leider, so das Blatt, gehe die Liste noch weiter. Nicht alle der etwa 50 Prozent „gewöhnlichen Katholiken, die in diesem Jahr für Trump gestimmt hatten“, seien bei dem Protest in Washington dabei gewesen, „doch viele von ihnen haben Organisationen unterstützt, die das Feuer schürten. Zu viele katholische Wähler“ seien mit Trump wegen „der Steuererleichterungen oder der Richter am Supreme Court oder der Fördermittel für katholische Schulen“ zufrieden gewesen. Viele von ihnen, so der NCR weiter, seien von „rechtsgerichteten katholischen Medien beeinflusst worden", etwa von "Church Militant", "LifeSiteNews" oder von dem Medienkonzern Eternal Word Television Network (EWTN). EWTN habe „mit seiner Fassade der Seriosität Millionen von Katholiken weltweit mit seinen einseitigen Nachrichten und Stellungnahmen desinformiert“. EWTN-Nachrichtendirektor Raymond Arroyo verdiene es, „ausgesondert zu werden“.

Außerdem müsse die amerikanische Bischofskonferenz „für ihre Ermächtigung des Präsidenten und der Republikanischen Partei zu dieser Gewalt und für ihre Verunglimpfung der Demokratischen Partei geschlossen ihre Komplizenschaft öffentlich bekennen und Buße tun“, fordert der NCR. „In Sack und Asche zu gehen, sollte nicht indiskutabel sein, doch es brauche mehr als ein Eingeständnis“.

Die Gegenposition vertritt das „Crisis Magazine“:  Nur eine „von Hass angetriebene“ journalistische Tätigkeit könne die Gewalt am Kapitol mit Namen wie Kardinal Dolan, William Barr, Raymond Arroyo und CatholicVote in Verbindung bringen, heit es in einem Kommentar. „All dieses Geschwätz“, so Crisis weiter, „kommt von einem ‚katholischen‘ Magazin, das seit Jahrzehnten abtreibungsbefürwortende Politiker unterstützt hat. Will NCR wirklich darüber sprechen, wer ‚Blut an seinen Händen hat‘? Abermillionen unschuldiger Ungeborener bedeutet dem Magazin nichts, weshalb es die Wahl eines ‚zweiten katholischen Präsidenten - eines anständigen Menschen‘, Joe Biden, feiert“. Dessen „Anständigkeit“ werde sich „bei der Finanzierung von Abtreibungen mit öffentlichen Mitteln schnell zeigen“, so das "Crisis Magazine".   DT/ks

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