Berlin

Armenischer Bischof warnt: Türkische Extremisten bedrohen Christen

Gegenüber der Tagespost unterstreicht der Bischof der Armenischen Kirche in Deutschland seine Sorge über türkische und aserbaidschanische Extremisten. Die katholische Kirche sieht er als mögliche Helferin in Bergkarabach.
Armenische Demonstranten vor dem Berliner Bundeskanzleramt
Foto: Imago Images | Zumeist armenischen Demonstranten aus dem gesamten Bundesgebiet protestieren vor dem Berliner Bundeskanzleramt gegen den Krieg in Berg-Karabach und gegen die Militärschläge Aserbaidschans in dieser Region.

Der Bischof der Armenischen Kirche in Deutschland, Serovpé Isakhanyan, hat sich besorgt über die Situation von Armeniern im Deutschland gezeigt. Anlass sind Übergriffe türkischer Extremisten der Ülkücü-Bewegung auf armenische Christen wie jüngst in Hanau. Dort warfen Mitglieder der als landläufig bekannten „Graue Wölfe“-Bewegung Morddrohungen in die Briefkästen armenischer Familien.

Er schrieb schon im Sommer an Behörden und Politiker

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„Immer, wenn irgendwo die Frage der offiziellen Anerkennung des Völkermords an den Armeniern diskutiert bzw. diesbezüglich Beschlüsse gefasst werden, oder der Berg-Karabach-Konflikt eskaliert, werden die Kreise aserbaidschanischer und türkischer Extremisten, wie die Grauen Wölfe, aktiv“, sagte der Bischof gegenüber der Tagespost. „Sie bedrohen alle Christen, sie bedrohen unsere demokratische Gesellschaft und Grundordnung, unsere Werte und die Solidarität in der Gesellschaft.“

Der armenische Würdenträger hatte bereits im Sommer an Behörden und Politiker – so das Innenministerium in NRW, sowie an Bundesinnenminister Horst Seehofer und an die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Anette Widmann-Mauz – einen schriftlichen Vorschlag versendet. Demnach sollte das Innenministerium die Schirmherrschaft für ein Treffen zwischen aserbaidschanischen und armenischen Organisationen übernehmen, um gemeinsam einen Friedensappell an die rivalisierenden Gemeinden zu richten. Doch eine Antwort der Behörden blieb aus. 

Armenien hat "große Verluste" erlitten

Stattdessen eskalierten die Übergriffe auf Armenier im Zusammenhang mit dem Bergkarabach-Konflikt seit Ende November. „Wissen Sie, diese islamistischen Extremisten nennen alle Christen im Allgemeinen ‚Ungläubige‘ oder, wie sie sagen ‚Gyavurs‘. Wir Armenier waren schon zu den Zeiten des Völkermords von 1915 ‚Gyavurs‘, und deshalb wurden wir massakriert“, sagte Serovpé Isakhanyan weiter. „Gyavur war auch der türkisch-armenischer Journalist und Publizist Hrant Dink, der vor Jahren von einem den Grauen Wölfen nahestehenden extremistischen Jungen – vor der Redaktion seiner Zeitung Agos auf offener Straße – erschossen wurde. Deshalb haben wir den Innenministern unsere Besorgnis mitgeteilt und sie aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen.“

Mit Blick auf die aktuelle Situation in Bergkarabach äußerte der Bischof, dass Armenien „große Verluste“ erlitten habe, doch sei Frieden „viel besser als Krieg“. Er richtete dabei auch den Blick auf die Schwesterkirchen. „Jetzt können die Kirchen, insbesondere die katholische Kirche, mit einem humanitären Appell dazu aufrufen, den Austausch von Kriegsgefangenen und Opfern zu beschleunigen und die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Wohnorte zu ermöglichen. Es ist sehr wichtig, den Menschen und Familien vor Ort zu helfen, die ihr Hab und Gut infolge des Krieges verloren haben. Die katholischen Hilfsorganisationen können ihren Beitrag dazu leisten.“  DT/mga

Wie sieht die Situation der armenischen Gemeinde in Deutschland während des Konfliktes in Bergkarabach aus? Beachten deutsche Politiker die armenische Position zu wenig? Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen armenischer und katholischer Kirche in Deutschland? Antworten zu diesen und anderen Fragen erfahren sie im Interview mit Bischof Serovpé in der nächsten Tagespost.

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