Arkansas

Arkansas verbietet Geschlechtsumwandlungen an Jugendlichen

Arkansas verbietet als erster US-Bundesstaat sowohl operative als auch hormonelle Geschlechtsumwandlungen an Jugendlichen. Das Gesetz wurde trotz des Vetos des Gouverneurs verabschiedet. Konservative Gruppen begrüßen das Verbot.

Demonstration für LGBTQI-Personen
Jugendliche demonstrieren für die Rechte von Personen, die sich als transgender bezeichnen. Foto: Noà mie Coissac via www.imago-images.de (www.imago-images.de)

Trotz des Widerstands des Gouverneurs ist im US-Bundesstaat Arkansas ein Gesetz beschlossen worden, das geschlechtsangleichende Maßnahmen für Transgender-Jugendliche verbietet. 

Überraschendes Veto des republikanischen Gouverneurs

Das Gesetz untersagt Ärzten, unter 18-Jährige für eine Geschlechtsveränderung mit Hormonen oder Pubertätsblockern zu behandeln oder sie zu operieren. Im Gesetzestext wird als Grund für das Verbot angeführt, dass es darum gehe, Jugendliche vor dem Experimentieren zu bewahren. Zudem heißt es, dass nach derzeitigem Stand klinischer Studien die Risiken einer Transition bei weitem den Nutzen überwiegen würden.

Der republikanische Gouverneur Asa Hutchinson hatte am Montag ein Veto gegen die vom Parlament abgesegnete Gesetzesvorlage eingelegt, das von diversen US-Medien als „überraschend“ bezeichnet wurde, da Hutchinson ein „stiller Republikaner“ sei, der sich sonst nicht für  LGBTQ-Rechte einsetze, wie es beim Nachrichtensender CNN heißt. Die Abgeordnetenkammer und der Senat überstimmten den Gouverneur am folgenden Tag jedoch. 

Hätte Gesetz unterzeichnet, wenn es sich nur auf Operationen beziehen würde

Führende medizinische Vereinigungen des Bundesstaates seien gegen das Gesetz, so Hutchinson. „Die geäußerte Sorge besteht darin, dass die Verwehrung der besten medizinischen Versorgung für Transjugendliche zu erheblichen Schäden für den jungen Menschen führen kann, von Suizidtendenzen und sozialer Isolation bis hin zu erhöhtem Drogenkonsum.“ Er warnte auch, dass Jugendliche, die derzeit eine Hormonbehandlung machten, auf den Schwarzmarkt oder in einen anderen Bundesstaat ausweichen müssten, sobald das Gesetz in Kraft trete. 

Hutchinson betonte, dass er das Gesetz unterzeichnet hätte, wenn es lediglich geschlechtsanpassende Operationen für Minderjährige verbieten würde, die in Arkansas ohnehin nicht durchgeführt würden. In der jetzigen Form gehe es aber zu weit, es sei „extrem“ und „Produkt des Kulturkampfes in Amerika“. Es stehe dem Staat nicht zu, sich in jede medizinische, menschliche und ethische Frage einzumischen.

Befürworter setzen Geschlechtsumwandlungen mit Kinderexperimenten gleich

Auch die Bürgerrechtsorganisation "American Civil Liberties Union“ (ACLU) warnte vor "verheerenden" Folgen des Verbots. "Dieses Gesetz wird Familien, Ärzte und Unternehmen aus dem Bundesstaat vertreiben, und es sendet eine fürchterliche und herzzerreißende Botschaft an Transgender-Menschen, die dies mit Angst beobachten", erklärte die Organisation und kündigte eine Klage gegen das Gesetz an.

Als "wirklich gute Nachricht“ bezeichnete dagegen der Vorsitzende der konservativen Organisation "Family Council“, Jerry Cox, die Verabschiedung des Gesetzes. "Geschlechtsumwandlungen können dazu führen, dass Kinder unfruchtbar werden und für ihr Leben gezeichnet sind", erklärte er. Mediziner wüssten nicht, welche Langzeitfolgen solche Behandlungen für Kinder hätten. "Das ist der Grund, warum viele Menschen sie mit Kinderexperimenten gleichsetzen", so Cox.

Kritiker warnen vor weiteren Gesetzen,
die Geschelechtsumwandlungen erschweren

Landesweit planen derweil mindestens 16 andere US-Bundesstaaten ähnliche Gesetze, die eine Geschlechtsumwandlung erschweren würden. Der Vorsitzende der auf LGTBIQ-Rechte spezialisierten Organisation „Human Rights Campaign“, Alphonso David, warnte vor einer Ausweitung der Gesetzgebung in Arkansas auf die Bundesebene. Arkansas habe sich an die "Spitze einer Abwärtsspirale" gestellt, die "angetrieben ist von Angst und Desinformation", schrieb David am Dienstag auf Twitter.  DT/ vwe

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