Santiago

Angriffe auf Kirchen in Chile

Demonstranten brennen zwei Gotteshäuser in Santiago nieder.
Kirchenschändungen in Chile
Foto: Esteban Felix (AP) | Eine Heiligenfigur brennt, nachdem Demonstranten die Kirche San Francisco de Borja angezündet haben.

Wenige Tage vor dem Referendum über eine neue Verfassung in Chile an diesem Sonntag hat eine Welle von Gewalt das Land erschüttert. Nach großen, friedlichen Protesten und Demonstrationen auf der Plaza Italia am vergangenen Sonntag in der Hauptstadt Santiago machten sich einige hundert Personen auf und attackieren zwei der ältesten Kirchen der Stadt, La Asunción und San Francisco de Borja. Vermummte zerstörten Gemälde, Figuren und die Altäre und zündeten dann die Kirchen an. Die Gebäude aus dem Jahr 1876 wurden von den Flammen zum Großteil zerstört. Der Turm von La Asunción brannte lichterloh und stürzte ein. Einige Eindringlinge plünderten die Kirche. Am Montag versuchten mehrere hundert meist junge Menschen eine weitere Kirche in der Stadt La Serena, knapp vierhundert Kilometer von Santiago entfernt, anzuzünden.

Kirchen immer wieder Ziel von Angriffen

Die Gewaltexzesse ereigneten sich am Jahrestag der ersten Massendemonstrationen vom vergangenen Oktober, die sich damals an Protesten gegen eine U-Bahn-Fahrpreiserhöhung entzündet hatten. Die als „soziale Explosion“ bezeichneten Proteste vor einem Jahr mündeten in Forderungen nach einem verbesserten Sozial- und Gesundheitssystem und weniger Ungleichheit. Chile ist zwar das Land mit dem zweithöchsten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Lateinamerika, es hat aber auch von hoher sozialer und materieller Ungleichheit geprägt. An den Protesten beteiligen sich viele Schüler und Studenten sowie linksradikale Gruppen. Von diesen gingen immer wieder auch Angriffe auf Geschäfte, Vandalismus und Drohungen gegen Bürger in reicheren Vierteln aus. Auch Kirchen wurden immer wieder Ziel von Angriffen. Wie die Organisation Hilfe für die Kirche in Not in Chile meldet, wurden seit Oktober 2019 etwa 60 religiöse Gebäude angegriffen oder beschädigt.

 

Die Zerstörung der beiden Kirchen in Santiago, die wegen ihres historischen und städtebaulichen Werts herausragen, hat zwar überwiegend Abscheu erregt. Politiker und Intellektuelle von der Rechten bis zur Linken verurteilten die Taten. In Netzwerken wie Twitter gab es aber auch andere Stimmen. Unter dem Motto „Menschen sind mehr wert als Gebäude“ kamen sozialdemokratische Politiker unter Feuer, die den Vandalismus kritisiert hatten.

Referendum über neue Verfassung

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Nach Angaben des konservativen Innenministers Victor Perez hat die Polizei seit dem Wochenende „mehr als 600 Menschen mit Molotow-Cocktails, wegen Plünderungen und Sachbeschädigungen“ verhaftet. Der Minister muss sich im Kongress, in dem die zentristische und linke Opposition die Mehrheit hat, einer Untersuchung über die Polizeirepression gegen Sozialproteste im vergangenen Jahr stellen. An diesem Sonntag sind die Chilenen zu einem Referendum aufgerufen, ob sie eine neue Verfassung wollen. Laut Umfragen wird eine Mehrheit der Chilenen dafür stimmen. Die aktuelle Verfassung stammt aus dem Jahr 1980, also noch aus der Zeit der Diktatur von General Augusto Pinochet. Kritiker monieren vor allem, dass die Verfassung ein neoliberales Wirtschaftsmodell festschreibe. Nach Umfragen unterstützen fast die Hälfte der Chilenen weitere Proteste auch nach dem Referendum.

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