„Angriff auf die Religionsfreiheit“

Bayerns Grüne wollen religiöse Symbole an Schulen verbieten – Scharfe Kritik an Parteitagsbeschluss – Schick: Das geht alle an

München (DT/KNA) Ein Parteitagsbeschluss der bayerischen Grünen zur Verbannung aller religiösen Symbole aus der Schule stößt auf anhaltende Kritik. Am Montag bezeichnete der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick den Entscheid als „Angriff auf die Religionsfreiheit“.

Die Grünen in Bayern hatten am Samstag beschlossen alle religiösen Zeichen, wie Kreuze, Schwesternhauben, Priesterkragen und Kopftuch der Muslime in Schulen zu verbieten. Bereits am Sonntag hatte sich Schick dazu zu Wort gemeldet: „Der gestrige Entscheid auf dem Grünen-Parteitag in Augsburg muss uns alle, nicht nur die Christen, auf den Plan rufen“, sagte der Erzbischof bei der Feier des 100-jährigen Kirchenjubiläums in Neuensee bei Michelau (Bezirk Oberfranken). „Das ist ein Angriff auf die Religionsfreiheit, eines der wichtigsten Menschenrechte, und auch auf unser Grundgesetz. Wir brauchen die freie Religionsausübung in Toleranz und keine intoleranten Religionsverbote“, so Schick. Es sei nicht zu verstehen, wie man auf der einen Seite den Schutz der Freiheitsrechte fordern und auf der anderen Seite die Religionsfreiheit einschränken könne, sagte Schick.

Wenn religiöse Zeichen in den Schulen verboten seien, sei zu befürchten, dass sie „über kurz oder lang auch ganz aus der Öffentlichkeit verschwinden sollten“, sagte der Bamberger Erzbischof. Nur intolerante, autokratische Regierungen, in denen die Bürgerrechte reglementiert seien, würden das religiöse Bekenntnis und die religiösen Symbole in der Öffentlichkeit verbieten. „Solche Zustände dürfen wir nicht zulassen. Für alle wollen wir die Religionsfreiheit, die auch das Bekenntnis und die religiösen Symbole in der Öffentlichkeit umfasst“, hob der Erzbischof hervor. „Wir sind ein christlich geprägtes Land und deshalb müssen die christlichen Symbole, die zu unserer Tradition gehören, bleiben.“ Aber auch für Mitbürger mit anderen Bekenntnissen, wie die Muslime und Juden, müsse die Religionsausübung im Rahmen der Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland gewährleistet bleiben, sagte Schick. Auch der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) wies den Vorstoß der Grünen zurück. Kreuze würden weiterhin in Bayerns Klassenzimmern hängen und Ordenskleider dort getragen werden können, erklärte er. Bereits am Sonntag hatten Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer gegen das Parteitagsvotum der Grünen Stellung bezogen. Dabei bewerteten sie vor allem die Gleichsetzung von Kruzifix und Kopftuch als skandalös. Das Kopftuch sei ein Symbol der Unterdrückung.

Auch der Fraktionsvorsitzende der CSU im bayerischen Landtag, Georg Schmidt, äußerte sich zum Beschluss des Landesparteitags der Grünen „Die Grünen haben immer noch nicht begriffen, was eine Gesellschaft zusammenhält. Wer von einem Baum die Wurzeln abtrennt, braucht sich nicht wundern, wenn dieser verdorrt.“ Dieser Beschluss rüttle an den Grundfesten unserer christlich-abendländischen Kultur, so der Fraktionschef „Das Christentum ist das Wurzelgeflecht unserer Gesellschaft und unserer Werte. Auch als Folge der Globalisierung suchen die Menschen nach Halt und finden ihn wieder im Glauben.“ Die Beschlüsse der bayerischen Grünen würden die religiösen Gefühle der großen Mehrheit der hier lebenden Menschen mit Füßen treten. „Schon deshalb dürfen die Grünen nicht an der Verantwortung für dieses Land beteiligt werden“, sagte Schmid.

Themen & Autoren

Kirche

Papst in der Slowakei
Bratislava
In das reale Leben eintauchen Premium Inhalt
Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren. In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Papst Franziskus ermutigte bei seinem Besuch dazu. Ein Gastkommentar.
18.09.2021, 19 Uhr
Thomas Schumann