Washington

„Amen and Awoman“: US-Kongress führt Gendersprache ein

Die „Sprachpolizei“ hat den US-Kongress erreicht. Demokraten vom „Rules Committee“ wollen durch eine Änderung der Verfahrensordnung sämtliche geschlechtsspezifischen Begriffe streichen, wie „Mercatornet“ meldet.
Ashley Hinson, neue Kongressabgeordnete
Foto: Fritz Nordengren via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Die Republikanerin Ashley Hinson aus dem Bundesstaat Iowa gehört zu den 13 neuen weiblichen Abgeordneten im Repräsentantenhaus, die sich für den Lebensschutz stark machen.

Laut der christlichen amerikanischen Webseite Mercatornet wird im Laufe der Woche bei der Versammlung des neuen Kongresses ein 45-seitiges Dokument vorgestellt, das von demokratischen Mitgliedern des „Rules Committee“ – dem Ausschuss des Repräsentantenhauses, der dessen Verfahrensordnung festlegt – erarbeitet wurde. Schon zur Eröffnung des Kongresses am vergangenen Sonntag beendete der Politiker der Demokratischen Partei und Pastor der United Methodist Church Emanuel Cleaver sein Gebet mit den Worten: „Amen and Awoman“. Ein Republikaner twitterte daraufhin: „Amen ist Lateinisch und bedeutet ‚so sei es‘. Es ist kein geschlechtsspezifisches Wort. Leider spielen Fakten für Progressive keine Rolle“. 

Alle Familienbegriffe sollen geändert werden

Besonders schwerwiegend sei, so Mercatornet, dass alle Familienbegriffe geändert werden sollen: „von Vater und Mutter zu ‚Elternteil‘, von Sohn und Tochter zu ‚Kind‘ und von Bruder und Schwester zu ‚Geschwister‘“. Während Wörter früher ausgedehnte Familienverhältnisse beschrieben, werden „neu geprägte Termini eingeführt. Mit ‚Kind des Geschwisters‘ bezeichnet die Entwurfsregelungen nun einen Neffen oder eine Nichte, und das ‚Geschwister des Elternteils‘ wird anstelle von Onkel und Tante verwendet“.

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Ziel der Initiative des Rules Committee sei es nach eigener Aussage „alle Genderidentitäten zu ehren“ und „sicherzustellen, dass wir alle Angehörigen, Delegierte und Kommissionsmitglieder sowie ihre Familien – einschließlich jener, die nicht-binär sind – einzuschließen“.

„Ist das wirklich alles so wichtig?“, fragt Mercatornet. Es sei bedeutsam, dass die Debatte um die Gendersprache nunmehr den Kongress der Vereinigten Staaten – „das mächtigste Gesetzgebungsorgan der weltweit mächtigsten Nation“ – erreicht habe. Darüber hinaus seien diese Vorschläge vom Rules Committee vorgebracht worden, das in der Umgangssprache als „Verkehrspolizist des Kongresses“ aufgrund seiner Macht in Bezug auf die Verabschiedung von Gesetzen durch das Repräsentantenhaus bekannt ist. „Seinem Wesen nach“, heißt es in dem Artikel, „erfordert der Erlass von Gesetzen stets eine sorgsame Auswahl der Sprache – die Sprache wird im Gesetz oftmals geändert, um die wechselnden Strömungen der Kultur widerzuspiegeln“. Genderneutrale Bezeichnungen mögen zwar für diejenigen, die sich weder als männlich noch weiblich identifizieren, weniger abschreckend sein: „Doch für die 99,4 Prozent der Menschen, die männlich oder weiblich sind, spielt auch die Wahrheit eine Rolle“. 

Die Suche nach der Wahrheit unterbunden

Doch wenn die Sprache kontrolliert werde, versuche man damit, die Suche nach der Wahrheit zu unterbinden: „Letztlich bedeutet dies, die Art und Weise zu verändern, wie wir denken und die Welt wahrnehmen“. Schon George Orwell hatte dies in seiner Dystopie „1984“ vorweggenommen, als er über eine neu konstruierte Sprache, das „Neusprech“, sinnierte. Mit dem

Neusprech sollte das „wrongthink“, das „Falschdenken“, eliminiert werden. Orwell schrieb: „Jede Aufzeichnung wurde vernichtet oder verfälscht, jedes Buch überholt, jedes Bild übermalt, jedes Denkmal, jede Straße und jedes Gebäude umbenannt, jedes Datum geändert. Und dieses Verfahren geht von Tag zu Tag und von Minute zu Minute weiter. Die geschichtliche Entwicklung hat aufgehört."  DT/ks

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