Als Erste im Ziel

Im gegenwärtigen Überbietungswettlauf tendenziöser und durchsichtiger Äußerungen über den Papst gibt es einige heiße Kandidaten, die einander wechselseitig überholen. Merkel, Döpfner, Küng sind im Spitzenfeld ganz gut dabei. Als Erste dürfte aber die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Ellen Ueberschär, im Ziel eingelaufen sein. Nein, der ökumenische Kirchentag 2010 sei nicht gefährdet. Ja, das gemeinsame Vorhaben mache durchaus weiter Sinn. „Man schmeißt ja auch nicht die Schule hin, nur weil der Direktor schwierig ist.“ Damit hat Frau Ueberschär bewiesen, dass sie ökumenisch versetzungsgefährdet ist. Denn wer Gräben schließen will, wo keine sind, schüttet Berge auf.

Mit ihren pseudokonzilianten Einlassungen wird aus der Hilflosigkeit des am medialen Marterpfahl stehenden Papstes noch schnell nebenbei ökumenepolitische Münze geschlagen, um alte Rechnungen zu begleichen. Es stimmt ja: Die ökumenische Aufmerksamkeit des Papstes gilt den deutschen Protestanten nicht in erster Linie. Das liegt zunächst vor allem an ihnen selber.

Dass Frau Ueberschär sich jetzt aber nicht entblödet, der Menschenrechtsorientierung Johannes Pauls II. hinterherzutrauern und diesbezüglich auf den nächsten Papst zu hoffen, ist der Gipfel der Frechheit. Zu unterstellen, Benedikt schenke den Menschenrechten im Allgemeinen und der Verurteilung des Antisemitismus im Besonderen nicht die nötige Aufmerksamkeit, klingt aus dem Mund einer Vertreterin der etwa in Lebensschutzfragen gelinde gesagt nicht immer ganz eindeutigen evangelischen Kirche nicht sehr glaubwürdig. Aber um in der Logik Frau Ueberschärs zu bleiben: Auf personelle Wechsel in der evangelischen Kirche wird man als Katholik mit Ökumeneorientierung ja noch hoffen dürfen. om

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