„Aggressive Berichterstattung schadet Kopten in Ägypten“

Der Niederländer Cornelis Hulsman gründete in Kairo ein Zentrum für arabisch-westliche Verständigung

Herr Hulsman, was fasziniert Sie an der koptisch-orthodoxen Kirche?

Sie geht auf die christliche Urkirche zurück. Hier hat sich eine uralte christliche Tradition erhalten.

Mit welchen Rahmenbedingungen müssen koptische Christen in Ägypten leben?

Ägypten ist kein Rechtsstaat europäischer Art. Kontakte und persönliche Beziehungen sind hier das Wichtigste. Wer sie pflegt, kann einiges erreichen. Bischof Athanasius von Beni Suef konnte zum Beispiel in seiner Amtszeit von 1962 bis 2000 etwa 60 Kirchen bauen und damit die Anzahl in etwa verdoppeln. Einige andere Bischöfe waren jedoch nicht so kompromissbereit und kontaktfreudig. Sie haben dementsprechend weniger für ihre Gläubigen erreicht.

Sie haben Ihre Arbeitsstelle in Holland aufgegeben, um sich für den Frieden zwischen Muslimen und Christen in Ägypten einzusetzen. Was hat Sie dazu bewegt?

Ich habe das Zentrum für Arabisch-Westliche Verständigung gegründet, weil ich die Berichterstattung von Auslandskopten gesehen habe. Sie war sehr aggressiv und antiislamisch. Dann habe ich gesehen, wie die ägyptischen Behörden darauf reagierten und dachte mir: Das hilft den Christen hier nicht. Eine aggressive Berichterstattung verstärkt aber nur andere Faktoren, die zu Spannungen zwischen Christen und Muslimen führen. Dies wiederum führt dazu, dass Christen die Gebiete, in denen solche Spannungen herrschen, verlassen. Diese Emigration schadet aber der koptischen Kirche in Ägypten sehr. Ich wollte daher meinen Beitrag zu einem besseren Verständnis zwischen Christen und Muslimen leisten.

Sie haben auch eine elektronische Datenbank erstellt, das „Electronic Network for Arab-West Understanding“.

Ja, sie soll das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in Ägypten dokumentieren. Sie ist unter www.arabwestreport.info im Internet zu finden und mit mittlerweile 20 000 Artikeln die größte englischsprachige Datenbank zu diesem Thema. Das Projekt wird unter anderem von den deutschen Hilfswerken missio und Misereor unterstützt. Gegenwärtig arbeiten wir an einer verbesserten Suchfunktion. Allerdings geschieht das zurzeit auf ehrenamtlicher Basis. Wir suchen dringend noch Förderer, die das Projekt finanziell unterstützen.

Wer arbeitet mit der Datenbank?

Wissenschaftler, Journalisten, Interessierte. Mein Anliegen ist es, den Lesern eine differenzierte Sicht auf die Situation von Christen und Muslimen zu ermöglichen. Ich möchte Stereotype durchbrechen. Nicht alle Kopten oder Muslime haben denselben Hintergrund. Manche ägyptischen Intellektuelle sind sich bewusst, dass dringend Lösungen für die Beziehungen zwischen Muslimen und Kopten gefunden werden müssen. Leider sind sie kaum vernetzt und haben wenig Zeit. Wir helfen ihnen, indem wir bestimmte Vorfälle sehr genau untersuchen und unsere Ergebnisse in der Datenbank veröffentlichen. Außerdem haben wir vor Ort schon für ausländische Wissenschaftler recherchiert, was sie vom Schreibtisch aus so nie herausgefunden hätten.

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