Kairo/Frankfurt

Ägypten: Religiös motivierte Gewalt gegen Kopten

Menschenrechtler berichten von Angriffe auf die koptisch-orthodoxe Minderheit in Ägypten während des Ramdan. Eine koptische Christin soll zum Übertritt zum Islam gezwungen worden sein.

Angriff auf Kirche bei Kairo
Verwandte der Opfer, die bei dem Angriff auf eine Kirche bei Kairo getötet wurden, trauern am 29.12.2017 bei einem Gedenkgottesdienst in Kairo. Foto: Aly Fahim (dpa)

Entgegen der Darstellung der ägyptischen Regierung, Kopten und Muslime lebten im Einklang miteinander, kommt es tatsächlich immer wieder zu Spannungen, Verfolgung und Unterdrückung. Besorgniserregende Nachrichten über Angriffe auf die koptisch-orthodoxe Minderheit während des Ramdan hat jetzt die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) erhalten. Demnach wurde am 20. April die Ägypterin Rania Abd al-Meseh von zwei verschleierten Frauen im Gouvernement Monufia entführt. Drei Tage später gab die Mutter von drei Töchtern in einem Video bekannt, zum Islam konvertiert zu sein. Die Aufnahme scheint unter Zwang entstanden zu sein – auch ihre Familie zweifele an einem Glaubensübertritt, heißt es. Den Informationen zufolge hat Rania Abd al-Meseh in den sozialen Medien regelmäßig christliche Inhalte geteilt und nach Aussage ihres Bruders am Tag der Entführung ihre Kreuzkette getragen.

Tradition der Verachtung von Christen

Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der in Frankfurt ansässigen Menschenrechtsorganisation, bezeichnet die religiös motivierte Gewalt gegen Kopten in der ägyptischen Gesellschaft als ein seit langer Zeit andauerndes Problem. Gegenüber der „Tagespost“ führt er dies auf die mangelnde Bildung großer Bevölkerungsteile sowie auf „eine Tradition der Verachtung von Christen“ zurück. Auch der Einfluss extremistischer Führungspersönlichkeiten sowie der  mangelnde Willen vieler staatlicher Institutionen, die koptische Bevölkerung zu schützen, spielten eine große Rolle. „Entführungen von Mädchen und Frauen sowie Körperverletzungen gegen Kopten werden oft nicht aufgeklärt“, erläuterte Lessenthin. Täter entgingen deshalb in vielen Fällen einer polizeilichen oder rechtlichen Verfolgung. „Oft werden die Opfer gar zu Tätern gemacht“. Die IGFM kennt verschiedene Fälle, in denen christliche Frauen und Mädchen entführt und mit muslimischen Ägyptern zwangsverheiratet wurden. 

Koptische Kirche versteht sich als Märtyrerkirche

Nach Angaben des päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ versteht sich die koptische Kirche in Ägypten selbst als Märtyrerkirche, „schon seit den Tagen der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian und später dann, seit dem Jahr 640, unter islamischer Herrschaft. Diskriminierung und Gewalt gegen Christen in Ägypten dauern bis heute an.“ 

DT/chp