Zu kühle Köpfe

Auch dieses Jahr trafen sich wieder Politiker und Manager aus aller Welt zum Weltwirtschaftsforum in Davos. Das liegt hoch in den Schweizer Bergen. Dort liegt Schnee und ist es kalt. Vielleicht war das der Grund, dass die bis Sonntag versammelte Wirtschaftselite einen so kühlen Kopf bewahrt hat.

Bemerkenswert, denn Anlässe für erhöhten Blutdruck bietet die Weltwirtschaft gegenwärtig zuhauf. Schon ein flüchtiger Blick in die Zeitungen genügt: Rezessionsangst in den Vereinigten Staaten, hektische Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank, der höchste Kursabsturz des DAX nach dem 11. September 2001. Und zuletzt noch ein ökonomisches Hasardeurstück, das in die Geschichte eingehen wird: der 5-Milliarden-Dollar-Mann. Offensichtlich ist es einem 31-jährigen Angestellten einer der traditionsreichsten Banken Frankreichs gelungen, das interne Kontrollsystem zu überlisten und Milliarden um den Globus zu jagen – und zu verlieren. Ein Einzelfall?

Keineswegs. Nur einer, der gründlich schiefgegangen ist. Mit derselben Methode rasanter Luftbuchungen machen Banken und Fonds beträchtliche Gewinne. Längst schon haben die nationalen Notenbanken nur noch begrenzt Einfluss auf die Finanzmärkte. Zwar ist es wahr, dass viel und vor allem billiges Geld die Weltkonjunktur der letzten Jahre wesentlich mitbeflügelt hat. Andererseits dämmert es immer mehr Menschen: Die Märkte sind außer Kontrolle. Die Grundgleichung der klassischen Volkswirtschaft: Ich kann nur ausgeben, was ich erwirtschaftet habe, gilt längst nicht mehr. Die jetzt in Davos geforderten Maßnahmen zur Abwendung einer Rezession – Zinssenkungen und staatliche Investitionsprogramme – mögen geboten sein. Sie lösen aber nicht das Problem, dessen Teil die unkontrollierbaren Geldströme der Banken sind. om