Würde des Menschen gilt auch für ungeborene Kinder

Der Augsburger Bischof Walter Mixa im „Tagespost Gespräch“ über die Bemühungen der Kirche gegen Abtreibungen

Herr Bischof, Sie haben zu Beginn der diesjährigen Fastenzeit sehr mutig an die millionenfache Tötung ungeborener Kinder erinnert. Dafür sind Sie sehr kritisiert worden. Hat das Thema auf der Frühjahrs-Bischofskonferenz in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt?

Wir haben jetzt direkt keine Erklärung gegen die hohe Anzahl von Abtreibungen in den letzten 30 Jahren abgegeben. Wir waren zu sehr beschäftigt mit dem Thema der Ablösung der Exkommunikation mit den so genannten Bischöfen der Pius-Bruderschaft. Aber meiner Ansicht nach kann dieses Thema der Millionen nicht zum Leben gebrachter Kinder nicht mehr länger verschwiegen werden. Das muss deutlich benannt werden als ein Verbrechen gegen das Leben.

Die Bischöfe haben im Januar eine Klärung vom ZDK wegen der kirchenkritischen Äußerungen des Vereins „Donum Vitae“ in deren Tätigkeitsbericht 2007 angemahnt. Diese Organisation stellt ja weiterhin den Beratungsschein für Abtreibungen aus.

Man muss hier ganz klar sagen, dass der Beschluss der Bischofskonferenz noch zu Zeiten von Papst Johannes Paul II. ganz deutlich war: die Ausstellung eines Beratungsscheines mit Hilfe von Beratungsstellen hat mit der katholischen Kirche nichts zu tun. Wir haben unsere eigenen qualifizierten katholischen Beratungsstellen, die vermehrt in Anspruch genommen werden und keinen Beratungsschein ausstellen. Aber den Menschen wird, wenn sie in einer wirklichen finanziellen oder geistigen Not sind, sehr schnell und unbürokratisch geholfen.

Welche Initiativen unterstützt die Deutsche Bischofskonferenz in diesem Bereich? Wird auch das erfolgreiche Lebenszentrum in München unterstützt?

Die Unterstützung für Lebenszentren wie in München könnte ich mir persönlich noch stärker und deutlicher vorstellen. Die Leiter von solchen Lebenszentren wie zum Beispiel Herr Hering in München und viele andere engagierte Frauen und Männer in der Kirche, die für das Leben eintreten, bedürfen unserer Unterstützung. Diese sollte dann gegeben werden, wenn Ärzte und betroffene Frauen in einer menschlich guten Art und Weise angesprochen werden.

Sie haben zu Beginn der Konferenz ein ganzes Blitzlichtgewitter über sich ergehen lassen müssen. Sie standen im Mittelpunkt des Interesses, weil sie, wie Papst Johannes Paul im Februar 2005, an das Millionenheer getöteter Juden und zugleich das der ungeborenen Kinder erinnert haben. Wie haben Sie das persönlich erlebt?

Der Holocaust und der damit verbundene Mord an sechs Millionen Juden ist ein entsetzliches Verbrechen, das in keiner Weise relativiert werden darf. Zugleich ist die Schoa eine immerwährende Mahnung an nachfolgende Generationen, das Leben und die Würde jedes menschlichen Wesens, jedes Volkes und jeder Religionsgemeinschaft zu achten. Natürlich kann man Verbrechen, die mit unterschiedlicher Motivation und in unterschiedlichen historischen Kontexten begangen wurden, nicht miteinander vergleichen. Die Mahnung, Leben und Würde jedes Menschen zu achten, gilt aber auch für die ungeborenen Kinder. Dies zu betonen, ist in keiner Weise kritikwürdig. Kinder sind die Zukunft. Wenn wir ihre Tötung zulassen, töten wir zugleich unsere Zukunft.