Wo bleibt der Aufschrei nach dem Hinrichtungs-Video?

Bischof Kukah ruft die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf Nigeria auszuüben, um Leben zu schützen.

Bischof Matthew Hassan Kukah
Matthew Hassan Kukah, Bischof von Sokoto in Nigeria, ruft die internationale Gemeinschaft auf, den Menschen in Nigeria zu helfen. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Der nigerianische Bischof Matthew Kukah aus Sokoto hat den ausbleibenden Aufschrei der internationalen Gemeinschaft nach dem Hinrichtungs-Video, das die Enthauptung von zehn Christen an Weihnachten zeigt, beklagt. „Wo bleibt die moralische Empörung über diese Tragödie?“, fragt der Bischof in einem Gespräch mit „Kirche in Not“, das von dem päpstlichen Hilfswerk verbreitet wurde. Das Video, auf das sich der Bischof mit seinen Aussagen bezog, zeigt die Enthauptung von zehn Christen am Weihnachtstag. Ein elfter Mann, der als Muslim identifiziert wurde, ist demnach erschossen worden. 

Der Propagandakanal des sogenannten „Islamischen Staats (IS), „Amaq“, hatte das 56 Sekunden lange Video, das die Morde zeigt, am zweiten Weihnachtsfeiertag veröffentlicht. Wie es heißt, sollen die Hinrichtungen Teil der Rache für den Tod des IS-Anführers Abu Bakr al-Baghdadi sein. US-Spezialkräfte hatten ihn im Oktober in Syrien aufgespürt. Daraufhin sprengte er sich in einem Erdloch in die Luft. Die jetzigen Opfer – allesamt Männer – wurden nach IS-Angaben im Lauf der vergangenen Wochen im nördlichsten Bundesstaat Borno gefangengenommen. Sokoto ist eine Stadt im Nordwesten Nigerias. Sie ist Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates Sokoto und Sitz des katholischen Bistums Sokoto. 

Bischof: Die Morde sind Teil eines viel umfassenderen Dramas

Bischof Matthew Kukah nennt die jüngsten Morde „Teil eines viel umfassenderen Dramas, mit dem wir täglich zu tun haben“. Er fügte hinzu, es sei „sehr schwierig zu wissen, warum die Regierung bei der Bewältigung der Krise keine Fortschritte erzielt hat. 30 Menschen werden getötet, 59 Menschen werden getötet - und solche Vorfälle führen nur zu einer formellen Verurteilung durch die Führung des Landes, aber ohne Dringlichkeitsgefühl.“ 

Weil nach Angaben des Bischofs in Nigeria weit mehr Muslime von Islamisten getötet würden, stelle sich die Frage, warum jeder wichtige Sicherheitsposten im Land von einem Muslim besetzt sei. Auch Christen müssten vertreten sein angesichts der Tatsache, dass „Religion eine Hauptschadensursache“ in Nigeria darstellt. Der Bischof forderte die internationale Gemeinschaft auf, „Druck auf Nigeria auszuüben, um Leben zu schützen“. Die Täter müssten vor Gericht gestellt werden.

„Sie wollen die Öl- und Mineralressourcen des Kontinents ausbeuten, aber sie wollen die Menschen nicht schützen“

Kritik äußerte Bischof Matthew Kukah an Plänen Frankreichs und der USA, ihre militärische Präsenz in Westafrika zu verringern. Die USA und die europäischen Nationen hätten vielmehr die Pflicht, Gewalt auf dem Kontinent zu verhindern, dessen natürliche Ressourcen die westlichen Mächte unbedingt ausnutzen wollten. Auch gelte das Argument nicht, die westlichen Nationen müssten sich aus den „inneren Angelegenheiten“ afrikanischer Nationen heraushalten. „Sie wollen die Öl- und Mineralressourcen des Kontinents ausbeuten, aber sie wollen die Menschen nicht schützen“, sagte Bischof Kukah. 

Er fügte hinzu, dass 70 Prozent der verschiedenen Krisen in Afrika  durch den Wettbewerb um Bodenschätze ausgelöst würden. Die Wurzel vieler Unruhen liege darin begründet, dass „internationale Konzerne Korruption züchten“. Wenn westliche Nationen ihre Truppen aus Afrika abziehen wollten, sollten sie auch aus dem Geschäft mit Bodenschätzen aussteigen. Darüber hinaus seien die Gräueltaten der Islamisten in Afrika das Ergebnis von Kriegen, die von westlichen Nationen im Nahen Osten ausgelöst worden seien.

Die Terrormilitz „Islamischer Staat Provinz Westafrika“ (ISWAP), die sich 2016 von der militanten Gruppe Boko Haram abgespalten hatte, hat ihre Angriffe auf Christen und Sicherheitskräfte in den vergangenen Monaten verstärkt. Das Video, das die Ermordung der Christen zeigt, wurde vom ISWAP veröffentlicht. 

DT/chp

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