Wo Staaten töten

Am Mittwoch fanden zwei Hinrichtungen in Japan statt. Allen Appellen der Päpste zum Trotz vollstrecken

auch die Vereinigten Staaten von Amerika weiterhin die Todesstrafe

Würzburg/Tokio (DT/dpa/sb) Es sind keineswegs nur finstere Diktaturen oder autoritäre islamische Staaten, die die Todesstrafe verhängen und auch vollstrecken. So sind am Mittwoch in Japan zwei zum Tode verurteilte Mörder hingerichtet worden. Das gab Justizministerin Keiko Chiba bekannt. Es waren die ersten Vollstreckungen von Todesurteilen seit einem Jahr und die ersten seit Regierungsübernahme durch die Demokratische Partei Japans (DPJ) im September. Im Jahr 2009 wurden laut „amnesty international“ in Japan 34 Todesurteile gesprochen und sieben auch vollstreckt.

Japan gehört zu den wenigen Industrieländern, in denen die Todesstrafe noch nicht abgeschafft ist. Die meisten Todesurteile werden in China verhängt, doch weigert sich die Regierung in Peking, Zahlen zu nennen. „amnesty international“ geht von mehreren tausend Todesurteilen jährlich aus. Die Todesstrafe steht in China nicht nur auf Mord, sondern auch auf Menschenhandel, Vergewaltigung und Korruption.

Im Iran wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, im Irak 120, in Saudi-Arabien 69. In den Vereinigten Staaten von Amerika wurden im Vorjahr 105 Todesurteile verhängt und 52 Menschen hingerichtet. Weltweit warten rund 20 000 zum Tode verurteilte Menschen in Todeszellen auf ihre Hinrichtung. Weißrussland ist der einzige Staat Europas, der die Todesstrafe bisher nicht abgeschafft hat. Japans Justizministerin Chiba, die anders als ihre Vorgänger den Hinrichtungen am Mittwoch selbst beiwohnte, setzt sich für eine öffentliche Debatte zur Todesstrafe ein. Sie habe ihr Ministerium angewiesen, ein Gremium zu gründen, das sich mit dem Für und Wider der Todesstrafe befassen soll, teilte die Ministerin auf einer Pressekonferenz mit. Der Umgang Japans mit der Todesstrafe wie auch die berüchtigten Haftbedingungen werden seit Jahren von nationalen und internationalen Menschenrechtsorganisationen scharf angeprangert. Die bisherigen konservativen Regierungen beriefen sich auf Umfragen, wonach 80 Prozent der Bürger in Japan die Todesstrafe für brutale Mörder befürworteten. Derzeit sitzen 107 Verurteilte in japanischen Todeszellen. Die Angehörigen erfahren von den Hinrichtungen nur im Nachhinein.

Die Verurteilten erhalten den Exekutionsbescheid erst am Morgen ihres Todestages. Danach haben die Betroffenen meist nur noch wenige Stunden zu leben. In Japan werden zum Tod Verurteilte gehängt. Justizministerin Chiba gehörte früher einer Gruppe von Parlamentariern an, die gegen die Todesstrafe sind. Mit ihrer Amtsübernahme trat sie jedoch aus der Gruppe aus. Sie wies nun nach eigenen Angaben die Strafvollzugsanstalt in Tokio an, künftig Medien den Zugang zur Todeskammer zu erlauben. Dies werde zu einer öffentlichen Debatte über die Todesstrafe beitragen, erklärte sie. Chiba könnte jedoch bald als Ministerin abgelöst werden, da sie bei der zurückliegenden Oberhauswahl ihren Parlamentssitz verloren hat. Bei den am Mittwoch Gehängten handelte es sich um den 59-jährigen Kazuo Shinozawa, der für den Mord an sechs weiblichen Angestellten eines Juweliergeschäfts in der Provinz Tochigi im Jahr 2000 mit dem eigenen Leben büßte. Der erste 33-jährige Hidenori Ogata landete für den Doppelmord an zwei Landsleuten im Jahr 2003 am Galgen.

Für eine weltweite Abschaffung der Todesstrafe hatte sich Papst Johannes Paul II. mehrfach, so etwa beim Urbi et Orbi zu Weihnachten 1998, ausgesprochen. Bei seinem Besuch in den USA 1999 rief der Papst dazu auf, „zu einer Übereinstimmung bezüglich der Abschaffung der Todesstrafe zu kommen, die sowohl grausam als auch unnötig ist“. Benedikt XVI. begrüßte in seiner Neujahrsansprache 2008, dass die UN-Generalversammlung kurz zuvor zu einem Moratorium über die Anwendung der Todesstrafe aufrief. Er erhoffe sich davon eine öffentliche Debatte „über die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens“, sagte der Papst.