„Wir vertrauen niemandem“

Mossuls syrisch-orthodoxer Erzbischof Nicodemus Daoud Sharaf meint: Der IS lässt sich nur mit Gewalt vertreiben. Von Oliver Maksan

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Herr Erzbischof, haben Sie Hoffnung, jemals wieder nach Mossul zurückkehren zu können?

Ja, Hoffnung schon. Aber es wird nicht einfach werden. Schnell wird es auch nicht gehen. Mit den IS-Terroristen kann man keinen Dialog führen. Es wird nur mit militärischer Gewalt gehen. Sie sind ja auch gewaltsam nach Mossul eingedrungen. Gewaltsam muss man sie jetzt auch vertreiben.

Sie sehen die Militärkampagne, die US-Präsident Barack Obama gestartet hat, mit Wohlgefallen?

Als Bischof stehe ich der Politik neutral gegenüber. Aber man muss Ordnung und Frieden schaffen um der Menschen willen. In der Zwischenzeit müssen wir uns um die Familien kümmern, die aus Mossul und Umgebung vertrieben worden sind. Das ist momentan meine wichtigste Sorge. Wir vertrauen heute niemandem mehr im Irak. Unsere ganze Hoffnung auf Hilfe richtet sich auf die Vereinten Nationen, die internationale Staatengemeinschaft. Nach über zwei Monaten sind unsere Leute, die vor IS flüchten mussten, aber noch immer auf der Straße. Der Winter kommt aber bald. Es muss etwas geschehen.

Glauben Sie, dass es unter den irakischen Sunniten viel Sympathie für den IS gibt?

Es gibt beides, gute und schlechte. Man darf nicht alle Muslime in einen Topf werfen. Seit 1 400 Jahren leben wir Christen und Muslime gemeinsam im Irak. Aber als jetzt im Juni und den Monaten darauf die Christen verfolgt wurden, hat niemand von den islamischen Führern im Irak uns seine Anteilnahme ausgedrückt oder Hilfe angeboten. Das haben wir schmerzlich vermisst. Vielleicht konnten sie nicht. Aber wir hätten uns Reaktionen erwartet. Es kam aber nichts. Und in Mossul haben sich teilweise unsere muslimischen Nachbarn gegen uns gewandt.

Im Dialog mit dem Islam gehen auch viele christliche Vertreter davon aus, dass der Islam grundsätzlich eine Religion des Friedens sei. Sehen Sie, Exzellenz, das auch so?

Nein, es ist eine große Lüge zu behaupten, der Islam sei eine Religion des Friedens. Das stimmt nicht. Dazu muss man nur in den Koran und die Hadithen blicken, die Wort und Beispiel Mohammeds überliefern. Dann sieht man, dass der Islam schon in seiner Gründungszeit den Christen und Andersgläubigen nur drei Möglichkeiten gelassen hat: Entweder sie konvertieren zum Islam, zahlen die Kopfsteuer oder nehmen den Tod in Kauf. Wo ist der Unterschied zu dem, was IS jetzt in Mossul und anderswo gemacht hat? Ich sehe keinen. Sie haben meine Kathedrale als erstes in eine Moschee umgewandelt. In Mossul gibt es alle zwei Meter eine Moschee. Bedarf gab es keinen. Sie haben das gemacht, um uns Christen zu demütigen. Bei uns setzt sich das Gefühl durch, dass alles, was wir in zweitausend Jahren aufgebaut haben, dass all der Schweiß und die Tränen unserer Vorfahren umsonst waren.

Hat Ihre Kirche im Irak noch Zukunft oder wollen die meisten Gläubigen gehen?

Unsere Kirche hat etwa 60 000 Gläubige im Irak. Allein 40 000 gehören zu meiner Diözese Mossul. Viele wollen bleiben, wenn es Sicherheit und Frieden gibt. Wir brauchen deshalb eine Schutzzone in der Ninive-Ebene, die von der UNO garantiert wird. Viele sagen, dass sie gehen wollen, wenn das nicht schnell geschieht. Andere sind schon gegangen. Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren.