„Wir kämpfen gegen die Herrscher der Dunkelheit“

Nahostkirchenrat tagte zu lebensbedrohlicher Lage – Jordaniens König würdigt gesellschaftliche Rolle der Christen. Von Andrea Krogmann

Die dramatische Lage der Christen in Nahost prägte das Treffen der Kirchenführer in der jordanischen Hauptstadt Amman. Foto: IN
Die dramatische Lage der Christen in Nahost prägte das Treffen der Kirchenführer in der jordanischen Hauptstadt Amman. Foto: IN

Amman (DT) Waffenlieferungen an terroristische Gruppierungen zu blockieren, eine Friedenslösung für Syrien sicherzustellen, Migranten und Binnenflüchtlingen zu helfen und den aus Mossul und der Ninive-Region geflohenen Christen zur Rückkehr zu verhelfen, all dies forderte die 11. Generalversammlung des sogenannten „Nahostkirchenrats“ (Middle East Council of Churches, MECC) am Donnerstag in Amman. Es sei wichtig, alle Formen von Extremismus, Terrorismus und Entfremdung zu brandmarken, heißt es in der Abschlusserklärung der Versammlung, an der 22 Patriarchen und Kirchenführer teilnahmen.

Die Kirchen des Nahen Ostens und die christlichen Gemeinschaften der Region stehen nach den Worten des griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III. vor „ernsten und lebensbedrohlichen“ Herausforderungen. „Die Situation, der wir gegenüberstehen, ist zu unseren Lebzeiten ohne Präzedenz, und unsere Antwort darf und kann keine Antwort eines feigen Geistes sein“, sagte der 1952 in Griechenland geborene „Patriarch der Heiligen Stadt Jerusalem, von ganz Palästina und Syrien, der Gebiete jenseits des Jordanflusses, sowie von Kana in Galiläa und dem Heiligen Zion“ in seiner Eröffnungsrede.

Patriarch Theophilos' Einladung als amtierender MECC-Präsident folgten die Oberhäupter von 22 Kirchen in Jordanien, Irak, Syrien, Palästina, Zypern, Libanon, Ägypten und dem Iran sowie Vertreter westlicher Kirchen und internationaler Organisationen. Neben Fragen der Rolle des Nahostkirchenrats und seiner Zukunft waren es diese Herausforderungen für eine bleibende christliche Präsenz, die Hauptthema der dreitägigen Veranstaltung waren. Der Kampf, setzte Patriarch Theophilos III. seine Eingangsrede fort, werde nicht geführt „nicht gegen eine menschliche Kraft. (…) Wir kämpfen nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen Fürsten, gegen Mächte, gegen die Herrscher der Dunkelheit dieses Zeitalters, gegen die geistigen Mächte des Bösen.“

Angesichts der Krise wächst das Streben nach Einheit

Angesichts dieser Kämpfe forderte der orthodoxe Patriarch die christlichen Führer des Nahen Ostens dazu auf, ihre Stimme zu erheben, „um die Weltöffentlichkeit zu mobilisieren, unsere Bemühungen zu unterstützen, die Christen des Nahen Ostens zu schützen und sie zum Verbleib in ihren Heimatländern zu ermutigen“. Theophilos III. verwies auf die Bedrohung der christlichen Präsenz durch Abwanderung und Vertreibung und forderte die Muslime des Nahen Ostens auf, die Kirchen in den Bemühungen um den Erhalt einer christlichen Präsenz in der Region zu unterstützen. Es gelte, eine Kultur der Liebe unabhängig von Religionszugehörigkeit, Hautfarbe oder Rasse zu schaffen.

Ein rasches und einmütiges Handeln angesichts der Bedrohungen forderten auch weitere Kirchenführer. Die gegenwärtige Situation sei ein historischer Moment, der einen effektiven Dialog, Mäßigung sowie eine ernsthafte Zusammenarbeit fordere mit den „muslimischen Brüdern angesichts aller Versuche, uns aus unserem Land zu entwurzeln“, erklärte etwa der syrisch-katholische Patriarch Ignatius Youssef III. Younan.

Einen positiven und einenden Effekt der gegenwärtigen Situation sah der emeritierte Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal. „Die gegenwärtige Situation hat alle motiviert, nach Einheit zu streben, um menschliche Bedrohungen zu überwinden und eine Kultur der Liebe und des Friedens zu verbreiten“, sagte der Jordanier am Rande der Generalversammlung gegenüber der jordanischen Tageszeitung „Jordan Times“. Mehr denn je zuvor sei ein „Geist des Enthusiasmus und der Hoffnung“ unter den Kirchenführern zu spüren. Twal äußerte die Hoffnung, dass die MECC-Versammlung eine größere gegenseitige Hilfsbereitschaft und Unterstützung bewirke. „Gemeinsame Anstrengungen machen eine schwierige Aufgabe einfacher und machen einen großen Unterschied“, so Twal wörtlich.

König Abdullah verteidigt die Rechte der Christen

Erstmals in seiner 42-jährigen Geschichte tagte MECC in der jordanischen Hauptstadt Amman und traf unter anderem mit dem jordanischen König Abdullah II. sowie mit dessen Berater in Religionsfragen, Prinz Ghazi bin Muhammad, zusammen. Jordanien ist nach den Worten seines Königs Abdullah II. ein Modell für Zusammenleben, Brüderlichkeit und Mäßigung und stolz auf die gemeinsamen Werte Liebe, Toleranz und Frieden.

König Abdullah II. betonte, angesichts der gegenwärtigen Situation in der Region stünden Muslime wie Christen vor denselben Herausforderungen und teilten die Verantwortung in ihrer Bewältigung. Gleichzeitig bezeichnete er die Christen in der arabischen Welt als „integralen Bestandteil des arabischen Sozialgefüges“, deren Rechte zu schützen „die Pflicht aller“ sei. Der MECC lobte das jordanische Königshaus für seinen Einsatz für ein friedliches Zusammenleben von Muslimen und Christen sowie für seine Initiativen für den interreligiösen Dialog.