Wieder mehr Abtreibungen

Wiesbaden (DT/reh) Die Zahl der vorgeburtlichen Kindstötungen in Deutschland ist im zweiten Quartal 2012 – verglichen mit dem entsprechenden Vorjahresquartal – um 1,2 Prozent gestiegen. Wie das Statistische Bundesamts gestern mitteilte, wurden der Behörde im zweiten Quartal des Jahres 2012 rund 26 900 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet. Das sind 300 mehr als im zweiten Quartal 2011.

Nach Berechnungen des Osnabrücker Sozialethikers Manfred Spieker wurden demnach in Deutschland (Ost und West) seit der Einführung der Fristenregelung im Jahr 1972 allein nach den Angaben der Wiesbadener Behörde 5 432 350 Kinder im Mutterleib getötet. Wie Spieker in einem Zeitungsbeitrag für die Tageszeitung „Die Welt“ schreibt, sei die Zahl der vorgeburtlichen Kindstötungen, die in den letzten vier Jahrzehnten tatsächlich in Deutschland vorgenommen wurden, jedoch weit höher. Begründeten Schätzungen zufolge liege sie laut Spieker bei „rund zehn Millionen“.

Wie das Statistische Bundesamt gestern ferner mitteilte, hatten 40 Prozent der Frauen, die im zweiten Quartal 2012 eine Abtreibung durchführen ließen, vor dem Eingriff noch keine Lebendgeburt. 97 Prozent der gemeldeten Abtreibungen wurden nach der Beratungsregelung vorgenommen. Medizinische und kriminologische Indikationen waren lediglich in drei Prozent der Fälle die Begründung für den Abbruch. Die meisten Schwangerschaftsabbrüche (69 Prozent) wurden mit der Absaugmethode (Vakuumaspiration) durchgeführt, bei 16 Prozent wurde die Abtreibungspille Mifegyne verwendet. Die Mehrzahl der vorgeburtlichen Kindstötungen erfolgte überwiegend ambulant: 80 Prozent in gynäkologischen Praxen und 18 Prozent ambulant im Krankenhaus. Sechs Prozent der Frauen ließen den Eingriff in einem Bundesland vornehmen, in dem sie nicht wohnten.