Islamabad

Wie „Blasphemie-Gesetze“ die Meinungsfreiheit einschränken

Mehrere 100 Männer, Frauen und Kinder sitzen oder saßen seit Ausweitung der Schein-Gesetze Mitte der 80er Jahre in Pakistan hinter Gittern, weil ihnen die Beleidigung des Islam zur Last gelegt wurde.

Proteste in Pakistan
Pakistan, Karatschi: Aktivisten der islamischen Partei Jamat-e-Islami (JI) nehmen an einem Protestmarsch gegen den Freispruch von Asia Bibi teil, die wegen Gotteslästerung verurteilt worden war und nach acht Jahren in der Todeszelle in Islamabad freigesprochen wurde. Foto: Ppi (PPI via ZUMA Wire)

Im Schatten des bekannten Falls  Asia Bibi , die unter dem Vorwurf der Gotteslästerung acht Jahre lang in einer pakistanischen Todeszelle saß, leiden weltweit noch viel mehr Menschen unter Einschränkung der Meinungsfreiheit durch sogenannte Blasphemie-Gesetze. Mehrere 100 Männer, Frauen und Kinder sitzen oder saßen seit Ausweitung der entsprechenden Gesetze Mitte der 80er Jahre in Pakistan hinter Gittern, weil ihnen die Beleidigung der islamischen Religion zur Last gelegt wurde oder wird. Schwerwiegend ist besonders der Vorwurf der Beleidigung des islamischen Propheten Mohammed, für den laut Paragraph 295 C im Strafgesetzbuch die Kapitalstrafe zu verhängen ist.

Zum Tode verurteilt wegen angeblicher despektierlicher Textnachricht an Imam

Das christliche Ehepaar Shafqat Emmanuel und Shagufta Kausar wurden am 4. April 2014 hinter Gefängnismauern zum Tode verurteilt, nachdem sogar die Klägeranwälte mit Fememord gedroht hatten. Als Analphabeten sollen sie auf Englisch eine despektierliche Textnachricht an den örtlichen Imam verschickt haben.

Dem knapp 17-jährigen Christen Patras Masih droht dasselbe Schicksal: Vor einem Jahr soll er über Facebook-Messenger das Bild eines Mannes verschickt haben, der die Kuppel einer der heiligsten Stätten zum Gedenken an den islamischen Propheten mit Füßen tritt. Polizisten schlugen Patras und erniedrigten ihn sexuell beim Verhör, sein Prozess verläuft aktuell zäh.

Menschenrechtler sprechen von Cyber-Blasphemie-Fällen

Auch wenn sie, wie Patras, weder lesen noch schreiben können, nutzen junge Leute aus armen christlichen Familien in Pakistan gerne Kurznachrichtendienste und soziale Netzwerke zum Austausch von Fotos und Piktogrammen. Wer ihnen etwas Böses tun möchte, kann ihnen dort leicht etwas unterschieben, so wie es Patras geschehen ist. Menschenrechtler sprechen von Cyber-Blasphemie-Fällen.

Nicht nur Christen geraten ins Visier von Eiferern: Wie auch eine Buddhistin aufgrund von Blasphemie-Gesetzen angeklagt wurde, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 21. März. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT