Wie Adoption widersinnig wird

Wer das Kindeswohl aus den Augen verliert, braucht sich über Absurditäten nicht wundern

In den USA will eine lesbische Frau nicht länger Mutter ihrer Ex-Partnerin sein

Das „Adoptionsrecht für homosexuelle Lebenspartner“ steht auf der Liste von Wahlkampfthemen der SPD, der Grünen, der FDP und der Linken. Brigitte Zypries (SPD) und Volker Beck (Bündnis 90/ Die Grünen) sind die am meisten genannten Protagonisten der Forderung, für homosexuelle Partnerschaften ein Recht auf Adoption einzuführen. Dabei tritt in den Hintergrund, welchem Zweck die Adoption eines Kindes eigentlich zu dienen hat. Ein Fall in den USA verdeutlicht, zu welch groteskem Widersinn ein solcher Denkansatz führen kann.

Gleichstellungsansprüche durchsetzen

Der Adoptionsvorgang wird von den um ihre Klientel werbenden Parteien weniger als Hilfe für ein elternloses Kind betrachtet, sondern mehr als ein Mittel eingesetzt, um für homosexuelle Partnerschaften rechtliche Gleichstellungsansprüche durchzusetzen. Dafür werden viele Argumente bemüht: Alle Lebenspartnerschaften seien wertvoll, sie verdienten gleiche Anerkennung und Respekt, wer gleiche Pflichten habe, solle auch gleiche Rechte haben, die Gesetze müssten der Lebenswirklichkeit angepasst werden, so lauten vielfach die Begründungen, mit denen das Adoptionsrecht für homosexuelle Partnerschaften propagiert wird.

Diese Sichtweise beraubt die Kindesadoption jedoch ihres eigentlichen Sinnes und instrumentalisiert sie für parteipolitische Ziele einer Gleichstellungspolitik, die dem Kind kein Elternpaar schenkt, sondern zwei gleichgeschlechtliche Sexualpartner als Sorgeberechtigte verordnet. Wie widersinnig dann die Adoption eines Kindes sein kann, zeigt der Fall von Olive Watson und Patricia Spado in den Vereinigten Staaten.

Dort adoptierte 1991 die lesbische Frau Olive Watson, Enkelin des IBM-Gründers Thomas Watson, die ebenfalls lesbische, mit ihr seit 1978 zusammenlebende Patricia Spado. Olive Watson war zu diesem Zeitpunkt 43 Jahre alt. Sie adoptierte die ein Jahr ältere (!), damals 44-jährige Patricia Spado an Kindes statt, um testamentarisch verfügte Erbansprüche zusätzlich vorsorglich auch noch gesetzlich abzusichern. Ein Jahr später ging ihre lesbische Beziehung allerdings in die Brüche.

Seit einigen Jahren streitet nun Olive Watson darum, die Kindesadoption annullieren zu lassen. Der Streit brach aus, weil ihre Ex-Partnerin Patricia Spado beim Tod der Mutter von Olive Watson im Jahr 2004 Erbansprüche als Enkelin geltend gemacht hatte. Seither sind die Gerichte in den USA bis zum Obersten Gerichtshof mit dem Fall beschäftigt.

Während Olive Watson und ihre Anwälte darum kämpften, das Adoptivkind Patricia Spado loszuwerden, kämpfte Patricia Spado beharrlich darum, auch weiterhin Kind ihrer jüngeren, ehemaligen lesbischen Partnerin zu sein. Dieser Wunsch hat seine besonderen Gründe. Denn es geht um ein Millionerbe, auf das Patricia Spado nicht verzichten will, auch wenn schon längst alle Lebensbande zu ihrer Adoptivmutter gerissen sind und die lesbische Beziehung zu ihr seit langem Vergangenheit ist. Doch die Adoption gilt, entschied der Oberste Gerichtshof und hob die vorherige gerichtliche Annullierung wieder auf.

Mehr Chaos als die Kindeswelt verkraften kann

Dieser Fall zeigt, welche grotesken Züge die Adoption eines Kindes annehmen kann, wenn sie ihres eigentlichen Sinnes beraubt wird. Sittlichkeit und Vernunft gebieten es, die Adoption eines Kindes als Dienst am Kind – ihrem wirklichen Zweck – zu sehen, nämlich einem elternlosen Kind das Aufwachsen in der Obhut eines Vaters und einer Mutter zu ermöglichen, nicht aber die Erbinteressen lesbischer Frauen oder das Interesse homosexueller Partnerschaften nach rechtlicher und gesellschaftlicher Gleichstellung zu befriedigen. Es verbietet sich – entgegen aller politischen Gleichstellungsphrasen – in der Kindesadoption nach dem Grundsatz „anything goes“ zu verfahren. Die Erwachsenenwelt hat mit der Methode „erlaubt ist, was beliebt“ seit einigen Jahrzehnten schon mehr Chaos angerichtet, als die Kindeswelt verkraften kann. Die Gesetze dürfen nicht einer unvernünftigen Lebenswirklichkeit angepasst werden, wie es manche Politiker glauben machen wollen, sondern die Lebenswirklichkeit muss den Gesetzen der Vernunft gehorchen. Dies ist Aufgabe einer klugen und verantwortungsvollen Politik.