Wer mit wem?

Es wäre nicht die dümmste Idee, den Bundestagswahlkampf ausfallen zu lassen und in vierzehn Tagen einfach gleich zu wählen. Das würde den Parteien eine Menge Geld sparen und dem Wähler viel leeres Tralala vom Hals halten. Wer in den letzten vier Jahren nicht begriffen hat, wie die Parteien und ihr Spitzenpersonal ticken, den werden weder Wahlprogramme mit ihrem schnellen Verfallsdatum noch das parteipolitische Schaulaufen der nächsten Wochen schlauer machen.

Außerdem wird inzwischen ohnehin mehr über strategische Optionen und rechnerische Möglichkeiten gesprochen als über politische Inhalte. Verwundern kann das nicht. Wer am Ende regiert, entscheidet sich über die Frage, wer mit wem koaliert. Weil das so ist, ist die Lage der SPD nicht so aussichtslos, wie es scheint. Und Schwarz-Gelb nicht so selbstverständlich wie manche glauben machen wollen. Dass die Kanzlerin gut mit der Fortsetzung der großen Koalition leben könnte, ist ein offenes Geheimnis. Warum sie dennoch mit der FDP regieren will, hat sie jetzt öffentlich gemacht. Sie will die Liberalen einbinden, damit die nicht weiter „das Blaue vom Himmel“ versprechen. Hört, hört, nicht inhaltliche Schnittmengen werden betont. Es geht um Machtarchitektur. Die Sorge, die FDP könnte zum Sammelbecken gefrusteter Unionswähler werden, treibt die CDU-Chefin um. Horst Seehofer kündigte indessen an, die Christsozialen künftig so ökologisch wie möglich ausrichten zu wollen. Das passt wiederum zu schwarz-grünen Gedankenspielen von Renate Künast. Und was verrät das alles? Die Nervosität wächst. Die Fühler werden längst in verschiedenste Richtungen ausgestreckt. Gut so. Sollte Schwarz-Gelb scheitern, braucht die Union eine Alternative. Da gibt es interessantere Varianten als eine Neuauflage der großen Koalition. ed