Wende in US-Forschungspolitik eingeleitet

Obama ordnet staatliche Förderung für embryonale Stammzellforschung an – Bischöfe: Fundamentale ethische Grenze überschritten

Washington/Rom (KNA/dpa/wei) Der Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, hat gestern einen Erlass zur staatlichen Förderung embryonaler Stammzellforschung unterzeichnet. Mit der entsprechenden Verordnung hob er das bisher in den USA bestehende Verbot der staatlichen Finanzierung embryonaler Stammzellforschung auf. Damit will er nach eigenen Aussagen die Forschung im Kampf gegen Krankheiten unterstützen und den Wissenschaftlern mehr Freiheit gewähren.

Bereits am Wochenende hatte sich die Zeitung des Vatikan, der „L'Osservatore Romano“, besorgt über die biopolitischen Pläne des amerikanischen Präsidenten geäußert. Eine Rücknahme der unter George W. Bush verordneten Beschränkung der Finanzierung sei eine „Entscheidung von starkem Symbolgehalt“, so der „Osservatore“. Auch die katholische Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten kritisierte Experimente mit menschlichen embryonalen Stammzellen als unmoralisch und unnötig. Schon zuvor hatte sie davor gewarnt, dass es mit dem neuen Erlass kein Halten mehr geben werde. Er überschreite die „fundamentale ethische Grenze“, die verhindere, dass der Mensch zum Forschungsobjekt werde, so die Oberhirten.

Mit dem neuen Gesetz geht eine Wende in der US-Forschungspolitik einher. Unter Ex-Präsident George W. Bush war die staatliche Finanzierung von Forschungsprojekten mit neuen embryonalen Stammzellen strikten Beschränkungen unterworfen. Während Bush in seiner Amtszeit alle Versuche des Kongresses, die Beschränkungen zu lockern, blockierte, hatte Obama schon im Wahlkampf seine Absichten in Bezug auf die embryonale Stammzellforschung publik gemacht und entsprechende Pläne verlautbart.

Obama wies darauf hin, dass er die neuen, erweiterten Möglichkeiten der Forschung an eine Regierungsaufsicht und moralische Richtlinien binden wolle. Der „New York Times“ zufolge wird es noch lange dauern, bis die gestrige Entscheidung Obamas Auswirkungen habe. Zuvor müssten Bestimmungen und Leitlinien von den Behörden aufgestellt werden. Der Demokrat plant für die nächsten zehn Jahre eine Verdoppelung der entsprechenden Etats.

Oppositionelle Republikaner reagierten mit scharfer Kritik. John Boehner, Fraktionschef der Republikaner, erklärte, dass Steuergelder nicht für die Zerstörung von embryonalen Stammzellen ausgegeben werden dürfen. Stattdessen solle man Mittel für die Forschung an Nabelschnur- und adulten Stammzellen ausgeben. Die Lobbygruppe Family Research Council kommentiert, Obamas Entscheidung sei „ein Schlag ins Gesicht aller Amerikaner, die an die Menschwürde glauben“. (Siehe Kommentar Seite 2)