Wasser auf die falschen Mühlen

Erzbischof Dominique Mamberti, der „Außenminister“ des Heiligen Stuhls, traf jüngst eine wichtige Klarstellung: Die Achtung des Rechts auf Religionsfreiheit bilde die Grundlage für die Achtung jedes anderen Rechts. Die Religionsfreiheit zu respektieren heiße, gegen Christophobie, Islamophobie und Antisemitismus vorzugehen. Wie aktuell solche Mahnungen sind, zeigen die jüngsten anti-islamischen Ausfälle der österreichischen FPÖ-Politikerin Susanne Winter. Die Kalkulation, mit wüsten Polemiken gegen muslimische Mitbürger und ihren Glauben die öffentliche Wahrnehmungsschwelle zu überschreiten und Emotionen freizusetzen, geht heute ebenso auf wie die vergleichbare Strategie mit antisemitischen Hetzparolen in den dreißiger Jahren.

Rassismus und bösartig-unwissende Attacken auf den Glauben anderer Menschen vergiften das Klima in einer Gesellschaft und gefährden die Religionsfreiheit aller. Wer in die Gesellschaften des säkularisierten Europa hineinhorcht, kann immer noch Antisemitismus, immer wieder Christophobie und immer lauter Islamophobie wahrnehmen. In jedem Fall beschädigen Haßreden gegen eine Religion die ohnehin begrenzten Möglichkeiten des Dialogs. Im Fall des Islam sind sie zudem Wasser auf die Mühlen jener muslimischen Fundamentalisten, die ihrerseits Hass und Misstrauen gegen den Westen schüren. Ohne Respekt vor dem Glauben der Muslime ist das dringend nötige kritische Gespräch mit dem Islam völlig unmöglich. sb